Full text: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
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teten, andere „aus Ermangelung des Brodts ihre Kinder in heisse 
Had stub en geschlossen haben, dass sie darin ersticken mussten.“ 
Daher führen die Erbebücher seit 1394 verschiedene Badestuben 
Hei einzelnen Besitzlichkeiten an, die allerdings, da sie nicht Jeder 
mann zugänglich waren, als gewerbliche Anstalten nicht angesehen 
werden können. 
Die öffentlichen Badestuben, die von der Bevölkerung regel 
mässig wie Kirche und Markt besucht zu werden pflegten, standen 
unter dem besonderen Schutz des Gerichts. Man strafte ihre 
Schändung streng, den in einer Badestube vollzogenen Diebstahl, 
wenn er über den Werth eines Loths Silber hinausging, mit dem 
Tode. Trotz der grossen Wichtigkeit,, die man mithin den Bade 
anstalten beilegte, standen die in ihnen beschäftigten Personen in 
üblem Rufe. Vermuthlich wollten, weil die Badestuben als Stätten 
üer Unsittlichkeit in Verruf geriethen, nur übelbeleumundete Per 
sonen sich zu ihrer Übernahme entschliessen, und so entwickelte 
sich der Begriff der „Unehrlichkeit“ dieses Berufs, die es unmög 
lich machte seine Vertreter oder Kinder seiner Mitglieder in die 
Eigentlichen Handwerksämter aufgenommen zu sehen. In Riga 
schloss beispielsweise die 1252 gestiftete Bruderschaft des heiligen 
Kreuzes Badstüber und Badstüberinnen von der Aufnahme aus, ja 
üas Statut gestattete nicht einmal ihre Einführung als Gäste auf 
den gewöhnlichen Zusammenkünften. 
Kndlich sei der Apotheken Erwähnung gethan. Bekanntlich 
zeigen sich die ersten derartigen Anstalten in deutschen Städten 
in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts b Im folgenden 
Jahrhundert gehören sie nicht mehr zu den Seltenheiten, und so 
kann man auch in Riga aus dem Kämmereibuch von 1339^ wie 
aus den Kämmereirechnungen von 1405 u. 1406, wo noch die Stadt 
I^ür die Bude des Apothekers zu sorgen hatte®, auf eine im Cha 
rakter der Zeit ordnungsmässig eingerichtete Apotheke schliessen. 
Sicher kann die am Markte, in der Nähe der Zollbude, belegene 
■Apotheke im Jahre 1537 nachgewiesen werden, und dreizehn Jahre 
spater wird uns auch der Namen eines Apothekers gemeldet. 
Johannes Szander kauft sich 1550 ein Haus in der Kaufstrasse, das 
unter seinen Nebengebäuden auch ein Brauhaus hatte^ und pachtete 
* ( arl Frederking, Geschichte der Pharmacie, S. i.t. 
^ Mettig, Zur Gesch d. Rig. Gewerl)c, S. 14. 
® L.-R.-C. IJrk. 4, Nr. 1954, S. H67. 
* Napiersky, Rrheii. II, 1056.
	        
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