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Alt-Rigas gewerbliches Leben.
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teten, andere „aus Ermangelung des Brodts ihre Kinder in heisse
Had stub en geschlossen haben, dass sie darin ersticken mussten.“
Daher führen die Erbebücher seit 1394 verschiedene Badestuben
Hei einzelnen Besitzlichkeiten an, die allerdings, da sie nicht Jeder
mann zugänglich waren, als gewerbliche Anstalten nicht angesehen
werden können.
Die öffentlichen Badestuben, die von der Bevölkerung regel
mässig wie Kirche und Markt besucht zu werden pflegten, standen
unter dem besonderen Schutz des Gerichts. Man strafte ihre
Schändung streng, den in einer Badestube vollzogenen Diebstahl,
wenn er über den Werth eines Loths Silber hinausging, mit dem
Tode. Trotz der grossen Wichtigkeit,, die man mithin den Bade
anstalten beilegte, standen die in ihnen beschäftigten Personen in
üblem Rufe. Vermuthlich wollten, weil die Badestuben als Stätten
üer Unsittlichkeit in Verruf geriethen, nur übelbeleumundete Per
sonen sich zu ihrer Übernahme entschliessen, und so entwickelte
sich der Begriff der „Unehrlichkeit“ dieses Berufs, die es unmög
lich machte seine Vertreter oder Kinder seiner Mitglieder in die
Eigentlichen Handwerksämter aufgenommen zu sehen. In Riga
schloss beispielsweise die 1252 gestiftete Bruderschaft des heiligen
Kreuzes Badstüber und Badstüberinnen von der Aufnahme aus, ja
üas Statut gestattete nicht einmal ihre Einführung als Gäste auf
den gewöhnlichen Zusammenkünften.
Kndlich sei der Apotheken Erwähnung gethan. Bekanntlich
zeigen sich die ersten derartigen Anstalten in deutschen Städten
in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts b Im folgenden
Jahrhundert gehören sie nicht mehr zu den Seltenheiten, und so
kann man auch in Riga aus dem Kämmereibuch von 1339^ wie
aus den Kämmereirechnungen von 1405 u. 1406, wo noch die Stadt
I^ür die Bude des Apothekers zu sorgen hatte®, auf eine im Cha
rakter der Zeit ordnungsmässig eingerichtete Apotheke schliessen.
Sicher kann die am Markte, in der Nähe der Zollbude, belegene
■Apotheke im Jahre 1537 nachgewiesen werden, und dreizehn Jahre
spater wird uns auch der Namen eines Apothekers gemeldet.
Johannes Szander kauft sich 1550 ein Haus in der Kaufstrasse, das
unter seinen Nebengebäuden auch ein Brauhaus hatte^ und pachtete
* ( arl Frederking, Geschichte der Pharmacie, S. i.t.
^ Mettig, Zur Gesch d. Rig. Gewerl)c, S. 14.
® L.-R.-C. IJrk. 4, Nr. 1954, S. H67.
* Napiersky, Rrheii. II, 1056.