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ihre Quantität und die anzulegenden Preise, erteilt. Eine
gewisse Selbständigkeit wird ihnen dabei gelassen; denn bis
zum Schluß bleiben die Ernteaussichten unsicher. So geht
im Oktober 1477 von Ravensburg aus die Anleitung nach
Spanien, höchstens 6, wenigstens 1 Ztr, Belegier zu kaufen,
je nachdem er 12 bis über 15 s., 8—4 Ztr. Ort, je nachdem
er 24—28 s. kostet 1 ). Temperamentvolle Empörungsaus
brüche begegnen uns in den Briefen, wenn die Faktoren die
Pflicht, über die Ernteaussichten zu berichten, vernachläs
sigen. So schreibt man Herbst 1479 nach Saragossa: „Ist es
nit ain schand und laster, das wyer noch byß her kain buoch
staben hond von iuch, ob man zuoversicht zuo dem stank
haut ald nit, daran unsser hertz und trost gantz und gar
lytt“ ! ). Als typischer Erntebericht möge ein österreichischer
— in der gleichen Art gibt es auch spanische — folgen ’):
Es ist ein warmer Herbst, es regnet zwar oft, doch sind es
warme Regen „und muoss der zyboll geben waz er hautt.
Aber dyss tag synd dye puuren etlich ab dem markt fill hie
gewessen; dye sagend ess gang in ibell, sy werden kain
saffran hon, ess wachss das grass vom zybollen und gangen
wenyg blomen uff. Nun sagend etlich, wen das grass her
fyr gang, so syg ess nit guott und sig kain blom me da, so
sägen ain tayll, wen daz grass schon mytt den blomen uff
gang an der erste, so kome darnach noch ain blom und daz
ich iuch kain grund nit kann schryben; aber Hainrich ryt
durch daz best land, da der maystayll saffran wächst".
Oft gibt es an der einen Stelle Mißernten, an der
anderen gute Ernten. Dann ist ein Orientiertsein über die
Aussichten auf den verschiedenen Plätzen wichtig, um schnell
die guten Ernten aufkaufen zu können. In besonderer
Wechselbeziehung stehen so der Brunickel und der Bele
gier, deren Schätzung eine verhältnismäßig ähnliche ist, und
deren Preis auch nicht sehr differiert. 1479 heißt es, der
Brunickel tue dem Bellegier großen Schaden, und man solle
viel Bellgier einkaufen, wenn wenig Brunickel zu erwarten
sei 4 ). 1477 heißt es, der Brunickel müsse der Wegweiser
1) Rav. Pap. 66. 2) Rav. Pap. 8. 3) Rav. Pap. 90. 4) Rav. Pap. 8.