Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 439
Friedrich aber hielt diesen Augenblick für besonders geeignet
zur Romfahrt und Kaiserkrönung: wie glücklich, auf dem alt—
fränkischen Formelkram der Krönung von heimischen Sorgen
auszuruhen! Im Jahre 1452 ging er nach Italien, und die
Italiener kannten ihn zur Genüge, um ihm den friedlichen
Durchzug nach Rom zu gestatten. Dort ward er am 19. März
1452 gekrönt; es war die letzte Krönung eines Kaisers in
mittelalterlichem Stile.
Aber schließlich blieb Friedrich doch nichts übrig, als
heimzukehren. Er schlug sich nach Wiener Neustadt, seinem
Lieblingssitze, durch. Hier hätten ihn freilich die Aufständischen
beinahe aufgehoben. So mußte er sich endlich zum lange Ver—
weigerten entschließen; am 4. September 1452 übergab er
Ladislaus die Regierung.
Inzwischen aber hatten die Ansprüche des Ladislaus auch
schon tief in die Geschicke Böhmens und Ungarns eingegriffen.
In Böhmen hatte die Vorenthaltung des Ladislaus und
die fast vollkommene Unthätigkeit Friedrichs zunächst zu anar—
chischen Jahren geführt. Allmählich aber erhob sich aus dem
Chaos die Macht der gemäßigten, utraquistischen Partei, und
an ihre Spitze trat seit etwa 1445 Georg von Podiebrad, ein
einfacher dechischer Baron, jeder tieferen Bildung fremd, doch
kühn und weitausgreifender, ja romantischer Pläne fähig, schlau
im kleinen, nur der Wertschätzung der höchsten, sittlichen Kräfte
des geschichtlichen Werdens nicht gewachsen. Er setzte sich 1448
in Prag fest und erhob die Stadt zum Hauptsitz der gemäßigten
Hussiten; darauf ward er im Oktober 1451 mit Zustimmung
König Friedrichs zum Landesverweser bestimmt. Vermochte nun
die verspätete Freilassung des Ladislaus im Jahre 1462 hieran
etwas zu ändern? Podiebrad blieb Reichsverweser; ja, als
Ladislaus, erst siebzehnjährig, am 28. November 1457 starb,
ward er von den Cechen zum König gewählt. Und mehr noch:
es gelang ihm, über die Schwierigkeiten der hussitischen Lage
gegenüber dem erstarkenden Papsttum, das die Prager Kom—
paktaten niemals anerkannt hatte, so weit zu siegen, daß er