121
Daraus folgt, daß das Gesamtganze der Wirtschaft sich
nicht nur in Teilganze ausgliedert, sondern auch in einen ganz
bestimmten S t u f e n b a u. Die Teilganzen erscheinen stets
nur mit einem bestimmten „Stufenwert", die Stufen stets nur
mit arteigenen Teilganzen.
Mit der Stufe zeigte sich bald eine andere Grundtatsache,
die des Eigenlebens der Stufe (bzw. des Unterganzen und
Gliedes überhaupt). Jede Stufe, von der höchsten herab durch
alle Unterganzen hindurch bis zu den letzten Gliedern, hat ihr
Eigenleben. Dieses ist aber nicht auf jeder Stufe gleich mächtig
und umfassend, die höhere Stufe hat nicht immer das
umfassendere Eigenleben. So ergab sich der Begriff der 6usglieüerungsmacht
und Kusglieüerungs fülle, ein grundlegender
Begriff, der uns später noch beschäftigen wird.
Endlich ergab sich der Begriff des Vorranges, und es ergab
sich die Aufgabe, die Vorrangverhältnisse zwischen den
reinen Teilganzen (ohne Rücksicht auf Stufenwert) und die
Vorrangverhältnisse zwischen den Stufen getrennt zu erforschen
sind. Es zeigte sich bereits und wird sich weiter zeigen,
daß die Erforschung dieser beiden Arten von Vorrängen das
innere Verständnis der Wirtschaftserscheinungen und der Wirtschaftspflege
erst so recht erschließen. Mit dem Begriffe des
Vorranges hat unsere Lehre und unser Verfahren etwas
Außerordentliches zu sagen. Er erleuchtet die dunkelsten, verborgensten
Zusammenhänge in ihrer innersten Natur.
Indem wir die Wirtschaft nicht wie die Individualisten
als ein Gemenge subjektiver Handlungen, sondern als ein
Ganzes mit eigener Ausgliederungsordnung ansahen, änderte
sich das Bild mit einem Schlage. Mit dem Begriffe der Ganzheit
ist der Funke aus dem Stein geschlagen, der das Licht
der Wahrheit entzündet. Die Welt der Wirtschaft eröffnet sich
uns wie ein Wunderland in reichen Farben, in reicber Gestaltung
und in buntbewegtem Leben.