Full text: Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

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ben wird aber der am meisten Absatz und damit intensive Be 
schäftigung haben, der bei freiem Markte den billigsten Preis für 
die gleiche Qualität stellen kann. Dieser Betrieb dient zuerst 
zur Befriedigung der jeweils begrenzten Nachfrage, und so geht 
es fort bis zu dem Betriebe, dessen Förderung zuletzt die Nach 
frage befriedigt und der unter den ungünstigsten Bedingungen ar 
beitet. Seine Betriebsbedingungen bestimmen den Preis, und die 
andern Werke haben eine natürliche Differentialrente. Wenn nun, 
wie in den Jahren 1871—73, immer neue Werke in Betrieb ge 
setzt werden, die grosse Anlagekapitalien erfordern, die aber 
unter günstigeren Bedingungen als die früheren produzieren, so 
haben möglicherweise die nichtbegünstigten bezw. weniger be 
günstigten Werke in Haussezeiten noch eine Nachfrage zu be 
friedigen, in Baisse aber werden sie aus dem sich verengenden 
Kreise, den die sinkende Nachfrage hervorruft, hinausgedrängt; 
denn sie können ja einen solchen Preis nicht stellen, wie die 
dabei am Leben bleibenden monopolisierten Betriebe. - 
Da das Gesetz des zunehmenden Ertrages sich wirtschaft 
lich dann am deutlichsten zeigt, wenn der Betrieb in den Gren 
zen seiner Anlage kontinuierlich intensiv arbeitet, so entbrennt 
unter den übrig gebliebenen Werken, die zur Befriedigung der 
zurückgehenden Nachfrage noch in Betracht kommen, der Kampf 
um den möglichst grossen Teil vom Absatz. Zeigt sich doch 
jetzt die Lösung des letzten Rätsels grossbetrieblicher Produk 
tion in kapitalistischer Unternehmung: der möglichst grosse ab 
solute Nutzen bei oder vielmehr trotz geringsten Nutzens pro 
Einheit des Verkaufsobjektes. 
Solche Kämpfe der letzten Betriebe untereinander enden 
aber häufig wie jenes siamesische Duell, bei dem beiden Käm 
pfern die Füsse zusammengebunden werden, die also nicht von 
einander und nicht von der Stelle können, und denen man un 
ter diesen Umständen scharfe Dolche in die Hände gibt: zum 
mindesten bekommen beide schwere Wunden. 
So droht dem zersplitterten Bergbau das Gespenst der Konkur 
renz in ganz besonders starkem Masse. Sie ist der grösste Feind einer 
»angemessenen Rentabilität« der investierten Kapitalien : hieraus 
resultiert das Streben, die »innere ungesunde« Konkurrenz der 
zersplitterten Betriebe zu beseitigen, hieraus das Streben, zum 
mindesten durch Tarife die äussere Konkurrenz zu erschweren 
und durch Begünstigungstarife die »Ueber Produktion« abfliessen
	        
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