12 Sicherung des Arbeitsverhältniffes, ;
„Allgemeinen Deutfdhen Gewerkfhaftsverband” zu:
jammenzufafjfen. Sie erwiefjen fidy aber nicht als Iebensfähig und
wurden im September 1874 wieder aufgelöft. Übrig blieben nur
eine kleine Zahl örtlider Arbeiterorganifationen, deren gewerk-
jhaftlider Charakter in ihrer berufligen Gliederung zum Auss
druck kam. Mit der für 1878 geplanten Sufjammenfaffung der
verfhiedenen fozialiftijden Ridtungen zu einer politijgjen Partei
jollte audy der Gewerkfhaftsgedanke wieder zu neuem Leben ers
weckt werden. Ale diejfe Pläne erjtidkte aber das am 21. Oktober
1878 erlaffene Sozialijtengefeg im Keime. Don den nod
vorhandenen Organifationen murden die meijten behördlid aufs
gelöft, die übrigen löften [id felbit auf. Die auf fozialijtijcher
Grundlage entjtandene deut{he Gewerkjhaftsbewegung fhien
damit erledigt. Den Gewerkjhaftsgedanken vermochte das Ges
jeß aber nicht zu töten. Sofort nad) feiner Aufhebung im Jahre
1890 bewies er feine Lebenskraft. Schon für den November 1890
wurde eine Gewerkfhaftskonferenz einberufen, die eine Gene
ralkommiffion (anfänglid mit dem Sig in Hamburg, feit
1903 in Berlin) einfegte und abermals nad} zentralijti:
[dem Prinzip organifierte. Schon ganz kurze Seit nad) ihrer
Gründung umfaßte diefe Organifjation 53 Zentralvereine mit 3150
Zweigvereinen und 227 733 Mitgliedern, Lange wogte ein Kampf
der Meinungen darüber hin und her, ob die Einrihtung von
Fokalverbänden oder Zentralorganifationen vorzuziehen fei.
Als diefer Streit endlid) zugunjten der Zentralorganifa-
tionen entfhieden war, tauchte das neue, heute zu großer Be-
deutung gelangte Problem auf, ob man reine Brandjenorgani-
jationen oder aber Indufjtrieverbände erjtreben fole, in
denen alle in einer Induftrie befhäftigten Arbeiter ganz ohne
Rückficht auf die Art der von ihnen geleijteten Arbeit und auf
ihre Dorbildung einheitlid} organifiert werden könnten. Die
Dermehrung der ungelernten und angelernten Kräfte, die wähs
rend des Krieges an Ausdehnung nodz gewonnen hat, gab dem
legteren Gedanken aNmählig immer größere Werbekraft. Die
Entwicklungslinie der fogenannten „freien“ Gewerkjchaften voll»
30g fi} je länger je mehr in der Ricdtung der reinen Gewerke
[qhaft, die mit den gegebenen politijden und wirtihaftlihen
Derhältnijjen — ‚felbjit mit der kapitalijtijden Wirtjdhaftsorde
nung — rechnet und innerhalb ihrer Derbefjerungen der Lohn
und Arbeitsbedingungen anjtrebt, was jedodz nicht ausfließt, daß
ihre Mitglieder der Mehrzahl nad der fozialdemokratifchen