war die Entwicklung bei England, wenn es auch erst seit den
Tagen der Elisabeth anfängt, Seemacht zu werden und seine Lage
als Seestaat entsprechend auszunützen. Denn es liegt ja inmitten
der Landhalbkugel, zwischen den wirtschaftlich wertvollsten Sei-
ten Europas und Nordamerikas und gegenüber den Ausgangs-
pforten der wirtschaftlich wichtigsten Länder Europas. Seine iso-
lierte Lage als Inselland ließ Großbritannien verhältnismäßig
schnell zur Weltseemacht entwickeln. Das ist dieselbe Erscheinung,
die wir jetzt, allerdings in weit rascherem Tempo, bei Japan wahr-
nehmen.
Keine Seemacht ist aber durch die Küste groß geworden. Wenn
nur einige wenige Küstenstellen vorhanden sind, hängt von ihrer
mehr oder minder intensiven Ausnutzung die Machtstellung des
betreffenden Staates ab. Eine Seemacht nur auf Küstenmacht be-
schränken, heißt, ihr einen ephemeren Charakter geben. Es sei
hier an das alte Sidon, an Portugal u. a. erinnert.
Die Entwicklung der modernen Seemächte treibt immer mehr
darauf hin, eine tüchtige Handels- und Kriegsflotte mit einem
widerstandsfäiähigen Körper zu Lande zu verbinden. Hier ist und
wird immer deutlicher die Achillesferse des englischen Weltreiches.
Man weiß das jenseit des Kanals gar wohl und hat mit richtigem
Blick erkannt, daß die Kriegsflotte stets ausreichend sein muß,
um eine Blockade des eigenen Landes unter allen Umständen ab-
wehren zu können. Würde dieser Eisenring einmal zerschlagen,
bedeutete dies eine Zertrümmerung der gesamten britischen Welt-
macht, was im letzten Weltkrieg sicherlich geschehen wäre, wenn
nicht die Nordamerikaner eingesprungen wären und noch einmal
das Verhängnis glücklich abgewendet hätten. Als eine Folge der
Erkenntnis der eben geschilderten Wahrheiten ist auch das Streben
nach einem engeren Zusammenschluß von Mutterland und Kolonien
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