Full text : Finanzwissenschaft

174  4.  Buch.  II.  Teil.  Die  privatwirtschaftlichen  Einnahmen  des  Staates.
Teil  zeichneten  kleine  Kapitalisten 1 ).  Die  Subskription  war  am
4.  August;  der  preußische  Kronprinz  errang  an  diesem  Tage  den
glänzenden  Sieg  bei  Weißenhurg,  doch  war  dies  in  Berlin  noch
nicht  bekannt.  Der  Besitz  des  Staatsschatzes  ermöglichte  aber  die
nötigen  Maßregeln  und  mit  der  Erringung  der  ersten  Siege  waren
die  Bedenken  der  Börse  verschwunden.  Die  Schwäche  des  Staatskredites, ­
  die  sich  auch  in  der  Gegenwart,  in  jedem  Staate  einstellen
kann  —  wir  sehen  dies  im  gegenwärtigen  Weltkriege  —,  mag  für
das  Vorhandensein  eines  Staatsschatzes  sprechen.  Die  Bedeutung
des  Staatsschatzes  wird  noch  erhöht,  wenn  nicht  der  Staatsschatz
selbst  zur  Deckung  der  Kriegskosten  verwendet  wird,  sondern  —
wie  dies  in  Deutschland  geschah  —  derselbe  der  Notenbank  überwiesen ­
  wird.  So  konnte  die  Deutsche  Reichsbank  auf  Grund  des
ihr  zur  Verfügung  gestellten  Reichskriegsschatzes  von  205  Millionen
ihre  Fähigkeit  zur  Notenausgabe  auf  Grund  der  Drittelberechnung
um  615  Millionen  erhöhen.
Den  Staatsschatz  kann  auch  die  Ausgabe  von  Staatspapiergeld
überflüssig  machen  und  manche  betrachten  dasselbe  für  das  Kriegszahlungsmittel ­
  par  excellence.  Aber  die  Ausgabe  des  Staatspapiergeldes ­
  ist  eine  sehr  heikle  Maßregel,  kann  zu  großen  Störungen  im
Wirtschaftsleben  führen.  In  gewissem  Sinne  kann  auch  der  Metallschatz ­
  der  Notenbanken  als  Staatsschatz  betrachtet  werden,  wie  dies
auch  der  gegenwärtige  Krieg  zeigt.
In  der  Literatur  finden  wir  schon  frühe  eine  Stellungnahme
gegen  den  Staatsschatz,  so  bei  Xenophon.  Bei  praktischen  Staatsmännern ­
  und  Heerführern  finden  wir  dagegen  eine  Billigung  dieser
Institution,  so  bei  Friedrich  dem  Großen,  Napoleon.  Im  allgemeinen
sind  gegen  den  Staatsschatz  diejenigen,  die  außerordentliche  Bedürfnisse ­
  mittelst  Kredit  gedeckt  wissen  wollen,  für  den  Staatsschatz  diejenigen, ­
  die  gegen  den  Staatskredit  Stellung  nehmen.  In  der  Literatur
der  Gegenwart  hat  namentlich  Wagner  auf  Grund  der  Erfahrungen
in  den  Kriegen  des  preußischen  und  deutschen  Staates  die  Institution
des  Staatsschatzes  verteidigt 2 ).
1 )  Dagegen  wurde  auf  die  zweite  Kriegsanleihe,  schon  nach  der  Proklamation ­
  des  deutschen  Kaisertums  in  Versailles  auf  die  in  Deutschland  aufgelegten
61,2  Millionen  Taler  223,3  Millionen,  auf  die  in  England  aufgelegten  3  Mill.  £
wurden  11,3  Millionen  gezeichnet.  (Köppe,  Die  deutschen  Kriegsanleihen,  Jahrbücher ­
  f.  Nationalök.  n.  Statistik  1916,  März,  8.  321.)
*)  Namentlich  Wagner  ist  für  die  Institution  auf  das  entschiedenste  eingetreten. ­
  „Der  Staatsschatz  hat  sich  von  neuem  im  Jahre  1870,  wie  vordem  in
1866  und  früher,  als  eine  vortreffliche  Fmanzeinrichtnng  bewährt.  Er  ist  zwar
bis  in  die  neueste  Zeit  von  einer  einseitigen  Theorie  und  befangener  Praxis  verworfen ­
  worden,  aber  mit  Recht  in  Preußen  aufrecht  erhalten  und  nun  auch,
            
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