Full text: Finanzwissenschaft

F. Ill, Abschnitt, Die einmalige Vermögenssteuer. 
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des englischen Nationaleinkommens durch Steuern zur Verzinsung 
der infolge der Napoleonischen Kriege auf über 800 Millionen £ 
angewachsenen Schuld außerordentlich hoch war, etwa ein Viertel 
bis ein Drittel des Nationaleinkommens in Anspruch nahm. Auch 
ist in Betracht zu ziehen, daß nach Berechnungen von Fachmännern 
mittels einer etwa 25 prozentigen einmaligen Vermögenssteuer die 
ganze englische Staatsschuld zurückgezahlt worden wäre, während 
selbst bei Konfiskation eines Drittels des Nationalvermögens m 
Deutschland nach dem heutigen Stande nicht einmal die eigentlichen 
Kriegsaniehen vollkommen getilgt werden könnten, in Ungarn müßte 
etwa die Hälfte des Nationalvermögens konfisziert werden. Trotz 
der hohen Autorität Ricardo’s wurde sein Vorschlag nicht ange 
nommen. Er selbst zweifelte an der Annahme desselben mit der 
Bemerkung, daß kaum so viel Tugend und Weisheit zu finden sein 
wird, die zur Durchführung dieses Vorschlages notwendig wären. 
Aber die schweren Folgen, die Ricardo von der Zurückweisung der 
einmaligen Vermögensabgabe befürchtete, sind nicht eingetreten, im 
Gegenteil nahm England damals den kolossalen Aufschwung, dem 
es seine dominierende Stellung in der Weltwirtschaft zu verdanken 
hat Nebenbei soll nur bemerkt werden, daß sich so manches gegen 
die Begründung einwenden ließ, wie ja schon die Voraussetzung gewagt 
ist, daß die in natura zur Verfügung gestellten Vermögensteile ihre 
Abnehmer finden würden, vorerst insofern, als ja die Abnehmer 
von Staatspapieren zum großen Teil einer anderen Kategorie ange 
hören, als diejenigen, die reale Vermögensgegenstände suchen usw. 
Die heutige Lage zeigt auch insofern Unterschiede, als ja ein nicht 
unansehnlicher Teil der gegenwärtigen Kriegsaniehen auf Inanspruch 
nahme von Lombardkredit beruht. 
Gegen den Ricardo’schen Vorschlag hat der Übersetzer und 
Kommentator Ricardo’s, Baumstark, dann namentlich Nebemus 
Stellung genommen. In der jetzt gepflogenen literarischen Diskus 
sion haben für die einmalige Vermögenssteuer Stellung genommen 
Jastrow, Gothein, Taffe, Diehl, Federn, Goldscheid usw., gegen 
dieselbe Dietzel, Lotz, Eulenburg, Ballod, SchuUera-Schrattenhoien, 
Ruzitzka, Bernhard, Friedberg, Ettinger usw. Noch gilt zu be 
merken, daß die Vorschläge jener, die für die einmalige Vermögens 
steuer eintreten, höchst verschieden sind, sowohl was die Steuer 
subjekte, als die Steuerobjekte, den Steuerfuß usw. betrifft, auch 
vertritt kaum ein einziger die sofortige Besteuerung, sondern wünschen 
dieselbe auf einen größeren Zeitraum zu verteilen in der Weise, 
daß die jährlich zu bezahlende Steuer etwa 2 Prozent betrüge.
	        
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