Full text: Finanzwissenschaft

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5 Buch. Der Staatskredit. 
Es soll daraus nicht geschlossen werden, daß dies ganz auszu 
schließen sei. Die Ausgabe von Papiergeld ist eine Kriegsreserve, 
deren Inanspruchnahme nicht ganz zu verwerfen wäre, wenn sich 
dieselbe in mäßigen Grenzen hält, da dies aber nicht leicht mög 
lich ist, so muß man darauf gefaßt sein, daß die großen Gefahren 
nicht zu vermeiden sind. Wenn freilich andere Mittel nicht zur 
Verfügung stehen und wenn es sich um große Interessen des Staates, 
sagen wir um Sein oder Nichtsein handelt, dann ist natürlich die 
Selbsterhaltung über alles zu stellen und auch die schlechtesten 
Mittel sind gut genug. Ist die Selbsterhaltung des Staates gesichert, 
dann folgt, wenn auch unter schweren Leiden ganzer Klassen, ganzer 
Generationen, der Heilungsprozeß. Die papierenen Zahlungsmittel 
werden eingezogen, der konstante Wert des Geldes wiederherge 
stellt. Fehlen hierzu die Mittel, so sind dieselben mittels Metall- 
anlehen, sogenannter Valutaanlehen zu beschaffen. 
Im Weltkriege haben alle Staaten in ganz exorbitanter Weise 
den Papiergeldkredit in Anspruch genommen, resp. diese Form ge 
wählt um sich Zwangsaniehen zu beschaffen. Die Staaten sind 
hierbei in verschiedener Weise vorgegangen ; die meisten haben 
einfach den Kredit der Notenbank in Anspruch genommen, Eng 
land hat staatliche Zahlungsmittel, Staatsnoten (Currency Notes) 
emittiert, sodann aber auch die Notenbank in Anspruch genommen. 
Einige Daten sollen die Gestaltung der Dinge im Weltkriege be 
leuchten. 
1. Deutschland. 
1914: 7. Juli 2,1 Milliarden Mark 
1919: Januar 34,4 „ „ 
2. Österreich-Ungarn. 
1914: 23. Juli 2,1 Milliarden Kronen 
1918: Ende Dezember 37,5 „ „ 
3. Frankreich. 
1914: 16. Juli 6,0 Milliarden Frank 
1919: 2. Januar 31,0 „ „ 
4. England. *) 
Banknoten Currency Notes 
1914: 29. Juli 29,7 Mill. £ — 
1918: 4. Dezember 96,4 „ „ 270,3 
1 ) Die Treancy Notes hatten eine Golddeckung von über 10 Prozent und sind 
einlösbar.
	        
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