Full text : Ferdinand Lassalle

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seinen  schlesischen  Dialekt  ju?  verleugnen.  Wir  drückten
uns  zum  Abschied  herzlich  die  Hand  und  trafen  für  den
folgenden  Tag  eine  Verabredung  zu  gemeinsamem  Essen.
Als  ich  ihn  am  anderen  Mittag  abholte,  fand  ich  ihn
in  jener  eigentümlichen,  wie  mir  scheinen  will,  recht
unbequemen  Lage,  wie  sie  die  Amerikaner  besonders
lieben.  Er  hatte  sich  auf  das  Sofa  ausgestreckt,  der  Kopf
ruhte  auf  dem  tiefen  Sitze,  während  er  die  übergeschlagenen ­
  Beine  gegen  den  Tisch  stemmte,  so  daß  die  Füße
höher  lagen  als  der  Kopf.  In  der  Hand  hielt  er  einen
Blaustift  und  vor  sich  auf  dem  rechten  Schenkel  einige
beschriebene  Oktavblätter.  Es  war  das  Konzept  seiner
Rede,  die  er  am  anderen  Tage  halten  wollte,  und  die
er  nun  noch  einmal  memorierte  und  verbesserte.  Er
sprang  auf,  um  mich  zu  begrüßen.  Ich  wunderte  mich
über  die  bei  einem  Gelehrten  auffällige  Eleganz  seines
Morgenanzugs.  Derartiges  hatte  ich  bisher  nur  auf
der  Bühne  von  Vornehmheit  heuchelnden  Schauspielern
gesehen.  Daß  er  auf  sein  Äußeres  großen  Wert  legte,
war  mir  schon  am  Tage  vorher  aufgefallen.  Er  kleidete
sich  wie  jemand,  der  bei  jeder  neuen  Bestellung  mit
seinem  Schneider  eine  längere  Unterredung  hat;  aber
er  war  tadellos  gekleidet,  mit  ruhiger  Einfachheit,  etwa
wie  ein  Attache.  Wir  waren  sogleich  wieder  in  eifriger
Unterhaltung.  Als  er  auf  den  ihm  bevorstehenden  Prozeß ­
  zu  sprechen  kam,  geriet  er  in  starke  Erregung.  Am
meisten  ärgerte  er  sich  über  die  Motivierung  des  hohen
Strafmaßes.  Daß  der  Staatsprokurator  ihn  nicht  für
aufrichtig  hielt,  das  konnte  er  ihm  nicht  vergeben!  „Ich
werde  selbst  meine  Verteidigung  führen,"  sagte  er  mir,
„und  der  Herr  Staatsprokurator  soll  seine  Freude  an
            
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