Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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Gründung  des  Bergwerks  den  größten  Wert  darauf  legte,  die  Anlagen  des
Werkes  innerhalb  der  städtischen  Markung  durchzusetzen.
Ueber  die  Arbeitsverhältnisse  auf  dem  „Salzwerk  Heilbronn"  ist  folgendes
zu  berichten.  Bei  der  von  Anfang  an  im  großen  Stil  geplanten  Anlage  des
Salzwerkes  Heilbronn  folgte  man  nur  den  sozialen  Auffassungen  unserer  Zeit,
wenn  für  die  Arbeiter  Wohnungen  und  sonstige  sozialen  Wohlfahrtseinrichtungen
geschaffen  wurden.  Der  Bau  von  Arbeiterwohnungen  wurde  von  der  Gesellschaft
frühzeitig  in  Angriff  genommen;  die  ersten  Arbeiterwohnhäuser  —  2  Doppelhäuser ­
  mit  8  Arbeiterwohnungen  —  wurden  am  1.  Juni  1887  bezogen.  Zwei
Jahre  später  erbaute  man  ein  weiteres  Arbeiterwohnhaus  mit  4  Wohnungen,
für  welche  eine  gemeinsame  Backstube  und  Waschküche  vorgesehen  war.  Im  Jahre
1890  wurde  ein  weiteres  Arbeiterwohnhaus  mit  4  Arbeiterwohnungcn  errichtet
und  gleichzeitig  auch  ein  zweites  Wohnhaus  für  die  Steuerbeamten  erbaut.  Wie
man  sieht,  hatte  sich  bis  dahin  die  Arbeiterwohnungsfürsorge  der  Gesellschaft  im
bescheidenen  Umfange  bewegt;  erst  ein  empfindlicher  Mangel  an  Arbeitskräften
zwang  die  Gesellschaft  zu  einem  ausgedehnteren  Vorgehen  auf  dem  Gebiete  der
Arbeiterwohnnngsfürsorge.  Das  Jahr  1898  gab  hierzu  den  Anstoß  und  so
kam  es  zur  Schaffung  einer  Arbeiter-Kolonie.  Zuerst  wurde  1899  eine  I.  Serie
von  Arbeiterwohnhäusern  mit  12  Wohnungen  im  Gesamtpreise  von  38  500,00  Mk.
erbaut,  worauf  im  nächsten  Jahr  die  II.  Serie  folgte,  ebenfalls  mit  12  Arbeiterwohnungen,
  welche  Häuser  rund  39  800,00  Mk.  Baukosten  verursachten.  Im
Vorjahr  1899  schritt  die  Gesellschaft  zur  Errichtung  einer  Kantine,  die  5901,04  Mk.
Kosten  beanspruchte.  Hier  wurde  den  Arbeitern  Gelegenheit  gegeben,  eine  gute
Kost  zu  geringem  Preise  zu  beziehen.  Schon  vorher  bestand  eine  Mannschaftskantine, ­
  die  mit  ihrer  modernen  Badeeinrichtung  den  zeitgemäßen  hygienischen
Anforderungen  entspricht.  Insgesamt  wurden  1900  für  Badeeinrichtungen,  sowohl ­
  für  Beamte,  wie  für  Arbeiter,  6303,68  Mk.  aufgewendet.
Was  die  Arbeiterschaft  betrifft,  so  erweist  sich  diese  als  sehr  seßhaft.  Ein
für  die  Leitung  und  Beamtenschaft  sehr  günstiges  Zeichen  stellt  die  Tatsache  dar,
daß  nahezu  die  Hälfte  der  Arbeiterschaft  eine  Tätigkeit  von  länger  als  10  Jahren ­
  im  Salzwerk  nachweisen  kann.  Ein  sehr  beredtes  Zeugnis  für  die  guten
Arbeitsverhältnisse  des  Werkes  ist  die  Tatsache,  daß  nicht  weniger  als  66  Arbeiter ­
  von  etwa  350  Arbeitern  mehr  als  20  Jahre  bei  dem  Salzwerk  tätig
sind.  Während  67  Arbeiter  eine  Tätigkeit  von  10  bis  20  Jahren  im  Jahre
1908  aufweisen  konnten.  Interessant  ist,  daß  ein  großer  Teil  der  eigentlichen
Bergleute  keine  geborenen  Württemberger  sind,  vielmehr  handelt  es  sich  hier  um
Zuwanderer  aus  den  deutschen  Hauptgebieten  des  Bergbaues,  Rheinland  und
Westfalen.  Wie  mir  der  erfahrene  und  langjährig  bei  dem  Werke  tätige  Betriebsführer ­
  Herr  I.  Nagelmann  gelegentlich  eines  Rundganges  durch  die  Gruben
mitteilte,  habe  er  den  Eindruck,  daß  dem  Württemberger  die  bergmännische  Arbeit ­
  in  der  Grube  wenig  zusage.  Die  Erfahrung  habe  jedoch  gelehrt,  daß,  wenn
der  Bergmann  einmal  zwei  Jahre  in  der  Grube  gearbeitet  habe,  ihm  die  besonderen ­
  bergmännischen  Arbeitsverhältnisse  heimisch  geworden  seien  und  er  alsdann ­
  mit  zu  den  treuesten  und  besten  Mitgliedern  der  Arbeiterschaft  zu  rechnen
pflege.  Einige  von  mir  nach  freiem  Ermessen  mit  den  Arbeitern  geführte  Gespräche ­
  lassen  mich  zu  dem  Urteil  konimcn,  daß  in  der  Arbeiterschaft  des  Werkes
vollste  Zufriedenheit  herrscht  und  daß  man  das  Unternehmen  im  Heilbronner
Industriegebiet  hinsichtlich  der  Arbeitsverhältnisse  mit  zu  den  besten  rechnet.  Der
            
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