Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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durchschnittliche  Tageslohn  stellt  sich  auf  3,60  Mk.,  dagegen  liegen  die  Löhne
der  Häuer  meist  über  5,00  Mk.  pro  Tag.  Ein  Teil  der  Arbeiter  wohnt  in
den  benachbarten  Städten  und  Dörfern,  wie  Neckarsulm,  Heilbronn,  Neckargartach, ­
  Biberach,  Binswangen,  Erlenbach,  Frankenbach,  Kirchhausen,  Kochendorf
und  Obereisesheim.  An  weiteren  Leistungen  der  Arbeiter-Wohlfahrtsfürsorge
sind  noch  hervorzuheben  freie  Bahnbeförderung  der  Neckarsulmer  Bergleute,  eine
Bibliothek  und  Badeanstalt,  die  Gratisreichung  von  Suppen  und  von  alkoholfreien ­
  Getränken.  Eine  wertvolle  Unterstützung  genießen  Beamte  und  Arbeiter
auch  dadurch,  daß  das  Werk  Kohlen  und  Brennmaterialien  zum  Selbstkostenpreise
abgibt.  Bedeutend  sind  auch  die  sozialen  Leistungen  der  Gesellschaft  dadurch,
daß  das  Werk  die  vollen  Beiträge  für  die  Jnvaliditäts-  und  Altersversicherung
ihrer  Arbeiter  und  Beamten  zahlt.  Auch  ist  hier  die  von  der  Gesellschaft  errichtete ­
  Beamten-,  Arbeiter-,  Witwen-  und  Waisenversicherung  zu  erwähnen,  für
welche  bis  zum  Jahre  1908  ein  Betrag  von  684545,80  Mk.  geleistet  wurde.
Für  Dienstaltersprämien  schüttete  die  Gesellschaft  bis  zum  Jahre  1908  die
Summe  von  98  367  Mk.  aus;  Beträge,  die  angesichts  des  jungen  Alters  der
Gesellschaft  ihrer  Höhe  wegen  überraschen  müssen.
Haben  wir  im  Vorhergehenden  die  Wirtschaftsgeschichte  des  „Salzwerks
Heilbronn"  behandelt,  so  sollen  sich  die  nachfolgenden  Zeilen  mit  der  auf  dem
Salzwerk  befolgten  bergbaulichen  Technik  etwas  näher  beschäftigen  x ).  Wir  gehen
aus  dem  Grunde  an  dieser  Stelle  auf  die  bergbauliche  Technik  etwas  näher  ein,
weil  die  des  Salzwerks  Heilbronn  als  allgemein  typisch  für  den  Salzbergbau
und  das  Salinenwesen  der  Gegenwart  zu  bezeichnen  ist.
Am  2.  April  1884  erfolgte  der  erste  Spatenstich  zum  Abteufen  des  Schachtes,
der  in  der  Nacht  vom  5.  auf  6.  März  1885  in  einer  Tiefe  von  169^2  m
das  Salzlager  erreichte,  wobei  die  Mächtigkeit  der  Lagerstätte  von  40,5  m  bestätigt ­
  wurde.  Die  geschichtliche  Entwicklung  des  „Salzwerks  Heilbronn"  läßt
drei  Perioden  unterscheiden;  zuerst  als  Vorgeschichte  die  schon  gekennzeichnete
Periode  der  Bohrungen,  die  in  zweijähriger  Dauer  die  Jahre  1881/82  umfaßte.
Es  folgt  dann  eine  vierjährige  Bauperiode,  die  sich  auf  die  Jahre  1883  bis
1886  erstreckte,  und  zuletzt  die  eigentliche  Betriebsperiode,  die  ja  im  vollen
Flusse  steht.
Die  Wahl  des  Schachtpunktes  trägt  bis  zu  einem  gewissen  Grade  einen
spekulativen  Charakter,  da  man  nicht  immer  sicher  ist,  ob  die  auf  eine  Bohrung
gegründeten  Voraussetzungen  sich  beim  späteren  Abbau  auch  tatsächlich  verwirklichen ­
  werden.  Für  das  Heilbronuer  Salzwerk  haben  sich  diese  Voraussetzungen
glücklicherweise  im  großen  und  ganzen  als  zutreffend  erwiesen.  So  erwünscht
einerseits  die  Nähe  eines  Flusses  für  die  Verkehrsverhältnisse  eines  Werkes  ist,
so  kann  andrerseits  doch  gerade  ein  Fluß  für  den  Bergwerksbetrieb  sehr  störend,
oft  gefährlich  und  vernichtend  werden,  wie  dies  durch  auftretende  Wasser  bedingt
sein  kann.  Beim  Heilbronuer  Salzwerk  liegt  der  Schachtpunkt  allerdings  nicht
entgegen  sonstiger  Gewohnheit  in  der  Mitte  der  Lagerstätte,  auch  ist  die  Nähe
des  Flusses  nicht  vermieden  worden;  für  diese  ersichtlichen  Nachteile  hat  man
jedoch  andere  Vorteile  eingetauscht.  Der  Schachtaulage  legte  man  folgende  Berechnung ­
  zu  Grunde.  Man  beabsichtigte  1000  Tonnen  Salz  in  zwei  8stündi-1)

  Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwesen  in  Preußen,  Jahrg.
1897.  Lichtenberger,  Das  Salzwerk  Heilbronn,  S.  136.
            
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