Full text: Statistik und Verwaltung mit besonderer Berücksichtigung der preussischen Verwaltungsreform

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waltungsgebiete eine richtigere werden, indem diese durch orts 
kundige Statistiker ihre Bearbeitung fänden. Die Quellenwerke 
der Reichsstatistik, die wegen der Wiedergabe der Details der 
Bundesstaaten und ihrer Verwaltungseinheiten die Erkenntnis eher 
verschleiern als verdeutlichen bei einer zumeist sehr dürftigen Aus 
beute der wissenschaftlichen Gesamtdarstellung, würden in der alten 
Form verschwinden. Es würde das reine innere sachliche Moment, 
das bisher zugunsten der örtlichen Details fast vollständig zurück 
treten mußte, wieder allein zu seinem Rechte kommen. All die 
großen Fragen der Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungs 
statistik, der Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsstatistik usw., 
die für das Reich bisher nun» unzulänglich von privaten Statistikern 
abgehandelt wurden, könnten jetzt den breiten Raum der amtlichen 
Darstellung in Quellenwerken einnehmen. Der alte nicht unbe 
rechtigte Vorwurf der toten Zahlenanhäufung, der Zahlenfriedhöfe 
seitens vieler Kreise, würde verschwinden. Der Umsatz der Statistik 
wäre damit ein schnellerer und die Einwirkung der Statistik auf 
das tägliche Leben eine intensivere. 
Statistische Bureaus sollen Menschheits-Observatorien sein. 
Einer späteren Zeit wird es Vorbehalten bleiben zu begreifen, daß 
die Statistik nur dann wirklichen ersprießlichen Wert für die 
Zwecke der Menschheit haben wird, wenn sie international nur 
nach wissenschaftlichen Prinzipien geregelt und geleitet wird. Die 
Statistischen Bureaus werden dann der Verwaltung, also dem un 
mittelbar konkreten Staat ebensowenig unterworfen sein, als etwa 
die astronomischen Institute und chemischen oder physikalischen 
Laboratorien hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse. Nur 
dann, aber auch nur dann allein wird die statistische Forschung 
ihrer hohen Aufgabe und ersten Voraussetzung gerecht werden, 
wie Boeckh sie einmal sehr richtig formuliert hat, »nicht den 
Zeitfragen und Zeitströmungen zu folgen, sondern ihnen voranzu 
gehen, unbekümmert um den praktischen Nutzen, den ihre Er 
gebnisse liefern« 1 ). Wenn in diesem Sinne die vorstehenden Aus 
führungen einige Anregungen gewährt haben sollten, so wäre dem 
Zweck der Schrift vollauf genügt. 
■*) Vgl. Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin. 4. Jahrg., 1878. Vorwort, S. V.
	        
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