Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

möglichst  umfangreicher  Kapitalbildung.  Sie  ist  ja  keineswegs  nur
ein  Problem  der  Kriegs-  und  Übergangswirtschaft,  sondern  eines
der  wichtigsten  und  schwierigsten  Probleme  jeder  Finanz-  und
Wirtschaftspolitik  überhaupt.  Man  könnte  an  sich  der  Meinung
sein,  daß  die  Kapitalbildung  am  meisten  gefördert  werde,  wenn  die
großen  Massen  nur  den  notwendigen  Lebensunterhalt  verdienten
und  alles  übrige  einigen  wenigen  zuflösse,  die  den  weitaus  größten
Teil  davon  dann  zur  Kapitalbildung  verwendeten.  Aber  hier  zeigt
sich  wieder,  daß  Kapitalbildmrg  nur  für  die  Erhaltung  und  Ausdehnung ­
  des  Konsums  Zweck  hat.  Ziel  der  Wirtschaft  ist  eben,
die  Vedarfsbefriedigung  aller  möglichst  zu  vervollkommnen.  Das
ist  nur  mit  nicht  zu  geringen  und  im  wesentlichen  steigenden  Einkommen
  der  großen  Massen  möglich.  Konsum  und  Kapitalbildmrg
,missen  immer  einander  angepaßt  sein.  Aber  das  günstigste  Verhältnis ­
  beider,  über  das  die  Theorie  einige  allgemeine  Sätze  ausstellen ­
  kamr,  vergleiche  einstweilen,  solange  der  zweite  Band  meiner
„Grundsätze"  noch  nicht  erschienen  ist,  meine  beiden  Aussätze:
„Grundlagen  einer  ökonomischen  Produktivitätstheorie",  Jahrbücher ­
  für  Nationalökonomie  und  Statistik,  1912,  und  „Theorie
des  Sparens  und  der  Kapitalbildung",  Schmollers  Jahrbuch,  191.3.
Durch  den  Krieg  sind  nun  die  Anforderungen  an  die  Kapitalbildung ­
  und  die  Voraussetzungen  für  ein  günstiges  Verhältnis  vor,
Kapitalbildung  und  Konsum  ganz  andere  geworden.  Der  Staat
ist  in  riesigem  Amfange  Konsument  geworden,  er  hat  sich  aber  die
Geldmittel  für  seinen  Konsum  zu  einem  großen  Teile  nicht  im
Wege  von  Steuern,  also  von  Zwangseinkommen,  die  aus  dem  der
Antertanen  stammen,  beschafft,  sondern  im  Wege  des  Kredits,
der  also  Konsurntivkredit  ist.  Diese  Summen  sind  bei  den  Gläubigern ­
  Kapitalforderungen,  aber  es  ist  klar,  daß  sie  nicht  die  Kapitalform ­
  sind,  die  die  Volkswirsschast  zur  regulären  Bedarfsbefriedigung
  gebraucht.  Vielmehr  ist,  wie  wir  schon  ausführten,  ein  großer
Teil  des  dafür  sonst  verwendeten  sog.  umlaufenden  Kapitals  dem
Staate  zur  Verfügung  gestellt  und  jetzt  in  Kriegsanleihen  verkörpert. ­
  Dieses  möglichst  bald  wieder  seiner  regulären  Verwendung
zuzuführen,  ist  also  eine  ungeheuer  wichtige  Aufgabe,  welche  mit
der  Sorge  für  die  Kapitalbildung  durch  Konsumeinschränkung
Land  in  Land  geht.
Diese  Aufgabe,  einen  möglichst  großen  Teil  des  jetzt  in  Anleihen ­
  festgelegten  Kapitals  wieder  den  Erwerbswirsschaften  zu-148

            
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