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in frohem Glauben an streng logischen „Fortschritt“
an sie herantritt, voll Enttäuschungen für den Intel
lektualisten, der im Verstand die treibende Kraft
zum mindesten des Wissens sieht und wenigstens
im Reiche der Wissenschaft den Menschen wirklich
für sapiens hält.
Aber fragen wir uns zunächst, wie man sich eine
solche Fortsetzung des begonnenen Werkes zu denken
hätte. Wie wäre es zu machen gewesen, daß man
über die Standquartiere von damals hinauskam ohne
sie doch zu zerstören? Die Antwort kann nicht
zweifelhaft sein: Die um die Wende des 18. und
19. Jahrhunderts das Reich der Sozialwissenschaften
betraten, hätten respektvoll, wie es sich den
Großen gegenüber geziemt hätte, aber energisch im
Detail, an den einzelnen Punkten der vorhandenen
Theorien Weiterarbeiten müssen. Sie hätten da all
ihre Originalität ausleben lassen und wirklich frucht
bar machen können. Sie hätten die Werke der Meister
hernehmen und erst einmal an ihnen lernen, ihren
Inhalt in sich aufnehmen und, wenn sie sie erst ver
standen hätten, an der einen oder anderen Frage, die
gerade ihrem Ideenkreis besonders nahe lag, in die
Tiefe steigen sollen — erst an der Hand der Meister,
dann allein weiter und immer weiter. Man sage nicht,
so arbeite kein Genie. Denn erstens ist nur selten
jemand ein Genie und zweitens haben alle großen
Geister so gearbeitet — jeder muß so arbeiten, wenn
seine Arbeit etwas wert sein soll: Raffael hat von
Perugino und Newton von Galilei und Huyghens ge
lernt, ohne gleich zu kritisieren. Das ist die Voraus