Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

60 
in frohem Glauben an streng logischen „Fortschritt“ 
an sie herantritt, voll Enttäuschungen für den Intel 
lektualisten, der im Verstand die treibende Kraft 
zum mindesten des Wissens sieht und wenigstens 
im Reiche der Wissenschaft den Menschen wirklich 
für sapiens hält. 
Aber fragen wir uns zunächst, wie man sich eine 
solche Fortsetzung des begonnenen Werkes zu denken 
hätte. Wie wäre es zu machen gewesen, daß man 
über die Standquartiere von damals hinauskam ohne 
sie doch zu zerstören? Die Antwort kann nicht 
zweifelhaft sein: Die um die Wende des 18. und 
19. Jahrhunderts das Reich der Sozialwissenschaften 
betraten, hätten respektvoll, wie es sich den 
Großen gegenüber geziemt hätte, aber energisch im 
Detail, an den einzelnen Punkten der vorhandenen 
Theorien Weiterarbeiten müssen. Sie hätten da all 
ihre Originalität ausleben lassen und wirklich frucht 
bar machen können. Sie hätten die Werke der Meister 
hernehmen und erst einmal an ihnen lernen, ihren 
Inhalt in sich aufnehmen und, wenn sie sie erst ver 
standen hätten, an der einen oder anderen Frage, die 
gerade ihrem Ideenkreis besonders nahe lag, in die 
Tiefe steigen sollen — erst an der Hand der Meister, 
dann allein weiter und immer weiter. Man sage nicht, 
so arbeite kein Genie. Denn erstens ist nur selten 
jemand ein Genie und zweitens haben alle großen 
Geister so gearbeitet — jeder muß so arbeiten, wenn 
seine Arbeit etwas wert sein soll: Raffael hat von 
Perugino und Newton von Galilei und Huyghens ge 
lernt, ohne gleich zu kritisieren. Das ist die Voraus
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.