Weltkolonisation.
Auswanderung und Kolonisation waren seit jeher die Mittel,
durch die sich Staaten zu helfen suchten, in denen eine Been
gung der Lebensverhältnisse, sei es wegen Übervölkerung und
Mangel an anbaufähigem Boden, sei es wegen sonstiger wirt
schaftlicher Schwierigkeiten, politischer Unzufriedenheit, religiöser
Zerwürfnisse und ähnlichen Ursachen eingetreten war. Allerdings
führten nicht immer bloß solch zwängende Gründe zur überseei
schen Kolonisation. Oft trieb auch Eroberungslust, Überschuß an
Unternehmungsgeist und Kapitalskraft zu außereuropäischen Er
werbungen.
So kam es im Laufe der Geschichte dazu, daß durch Aus
nützung günstiger Konstellationen, zumeist durch Staaten, die See
mächte sind oder es doch w T aren — abgesehen von Amerika,
Japan und dem früheren asiatischen Rußland -—, etwa 61 Mil
lionen Quadratkilometer, das ist fast die Hälfte des bewohnten
Festlandes, Kolonialgebiet europäischer Staaten sind. Natürlich
gehören infolge der angedeuteten Entwicklung diese Kolonien
nicht immer gerade jenen Staaten, die am dichtesten bevölkert
sind, also am dringendsten Kolonien brauchen.
Auf Seite 19 haben wir besprochen, daß gegenüber der wün
schenswerten Dichte von 100 Menschen pro Kulturquadratkilometer
Großbritannien um 24‘2, Deutschland um 24'8, Italien um 15 6,
das frühere Österreich um 10, Frankreich um 1'8 Millionen Ein
wohner zu viel, dagegen Spanien um 10*1 und das frühere Ruß
land um 98 2 Millionen Einwohner zu w r enig hatten.
Demgegenüber besitzen an Kolonien;
Großbritannien 39'9, Deutschland 0, Italien L6, Frankreich
12'5, Spanien 0 - 31, Belgien 2‘4, Portugal 2 - l, Niederlande 2’0
Millionen Quadratkilometer. Deutschland besaß bekanntlich vor