Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

kriecht  und  hunderttausend  Menschen  fünfzig  Jahre  arbeiten,  um  ein
Grabdenkmal  für  einen  Sterblichen  ihresgleichen  herzustellen.
So  ist  der  Häuptling  einer  kleinen  Bande  Wilder  nur  einer  von
ihnen,  dem  sie  als  dem  Tapfersten  und  Klügsten  folgen  Wenn  aber
große  Massen  gemeinschaftlich  handeln  sollen,  so  wird  die  persönliche
Wahl  schwieriger,  ein  blinderer  Gehorsam  wird  notwendig  und  kann
erzwungen  werden,  und  eben  aus  diesem  Zwange  der  in  größerem  Maßstabe ­
  geführten  Kriege  entsteht  die  unumschränkte  Macht.
Ähnlich  geht  es  mit  der  Spezialisierung  der  Funktionen.  Die
produktiven  Kräfte  gewinnen  offenbar,  wenn  die  soziale  Entwicklung
so  weit  gediehen  ist,  daß  die  Produzenten  nicht  mehr  ihrer  Arbeit  entrissen ­
  und  zum  Kriegsdienst  aufgeboten  zu  werden  brauchen,  sondern
eine  regelmäßige  Heeresmacht  abgezweigt  werden  kann;  aber  dies
bewirkt  unvermeidlich  eine  Kontraktion  der  Macht  in  den  fänden  der
Soldatenklasse  oder  ihrer  Oberhäupter.  Die  Aufrechterhaltung  innerer
Ordnung,  die  Justizpflege,  die  Errichtung  und  Beaufsichtigung  öffentlicher ­
  Werke  und  merkwürdigerweise  auch  die  Religionsgebräuche,  alle
streben  gleichmäßig  darauf  hin,  in  die  Hände  besonderer  Klassen  zu
kommen,  die  geneigt  sind,  ihr  Amt  zu  preisen  und  ihre  Macht  auszudehnen. ­

Die  Hauptursache  der  Ungleichheit  liegt  jedoch  in  dem  natürlichen
Monopol,  welches  der  Besitz  des  Grund  und  Bodens  verleiht.  Die
ersten  Anschauungen  der  Menschen  scheinen  den  Grund  und  Boden
stets  als  Gemeingut  zu  betrachten;  aber  die  rohen  Mittel,  in  denen
diese  Anerkennung  anfänglich  zum  Ausdruck  kommt  —wie  z.  B.  jährliche
Verteilungen  oder  gemeinschaftliche  Kultur  —sind  nur  mit  einer  niedrigen
Entwicklungsstufe  vereinbar.  Die  Idee  des  Eigentums,  die  bezüglich
der  Gegenstände  menschlicher  Produktion  ganz  naturgemäß  ist,  wird
leicht  auf  den  Boden  übertragen,  und  eine  Einrichtung,  welche,  solange
die  Bevölkerung  zerstreut  ist,  dem  Verbesserer  und  Benutzer  nur  den  ihm
gebührenden  Lohn  seiner  Arbeit  sichert,  beraubt  schließlich,  wenn  die
Bevölkerung  dicht  wird  und  die  Rente  entsteht,  den  Produzenten  seines
Lohns.  Nicht  bloß  dies,  sondern  die  Aneignung  der  Rente  zu  öffentlichen
Zwecken,  durch  welche  allein  bei  höherer  Entwickelung  der  Grund  und
Boden  leicht  als  Gemeingut  beizubehalten  ist,  wird,  wenn  die  politische
und  religiöse  Macht  in  die  Hände  einer  Klasse  fällt,  zu  einem  Besitzrecht
dieser  Klasse,  und  die  übrigen  Bürger  werden  bloße  Pächter.  Kriege
und  Eroberungen,  die  auf  Konzentrationen  der  politischen  Macht  und
auf  die  Einrichtung  der  Sklaverei  abzielen,  bewirken,  wo  die  soziale
Entwicklung  dem  Grund  und  Boden  einen  Wert  verliehen  hat,  naturgemäß ­
  die  Aneignung  desselben.  Eine  herrschende  Klasse,  welche  die
Macht  in  ihrer  Hand  vereinigt,  wird  bald  auch  den  Grundbesitz  konzentrieren. ­
  Ihr  werden  große  Teile  des  eroberten  Landes  zufallen,  welches
die  früheren  Bewohner  als  Pächter  oder  Hörige  bebauen,  und  das
öffentliche  Gebiet,  d.  h.  die  Gemeindeländereien,  welche  im  natürlichen
            
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