Full text : Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil.

Untersuchungen‘. Allein auch abgesehen davon, dürfe das
Schließen einer Mischehe als ein Zeugnis dafür angesehen
werden, daß man die kirchliche Zugehörigkeit beim häuslichehelichen
 Gemeinschaftsleben für indifferent ansehe?%, Es
erhellt, daß (diese Basis einmal zugegeben) die statistisch
feststellbare Masse der Mischehen, oder wenigstens doch die
Summe des der betreffenden Kirche durch diese entzogenen
Nachwuchses sehr wohl als Kriterium moralstatistischer Betrachtung
 zu erscheinen vermag.
Ähnlich verhält es sich, wenn die Mischehe in der Mischung
mit einer (oder einem) Volksfremden entsteht. Dem erregten
nationalistischen Empfinden ist der Eingang einer solchen Ehe
ein Verrat am eigenen Volkstum. So entstehen auch hier „„Verfehler‘“massen,
 die sich statistisch fassen lassen. Die italienische
Weltkriegsliteratur ist voll von Empörung gegen die mogli
tedesche und mehr noch gegen die mariti di mogli tedesche. In
Deutschland hat, vom Kampfe Bismarcks und seiner Anhänger
gegen die als Engländerin verschrieene Kaiserin Friedrich bis
zu den wahnwitzigen Thesen des berühmten „Haß‘romans von
Arther Landsberger 2 der Fremdenhaß und das Kaiserfieber
in erhitzten Köpfen ebenfalls Angst vor den später etwa abzuschließenden
 Mischehen wachgerufen und zur Verfemung der
bereits abgeschlossenen Mischehen geführt. In der französischen
 Geschichte leben die Königinnen aus dem Hause Medici
als die Pest und Verderben bringenden Gestalten, die sich auf
dem hellen Hintergrunde der reinen französischen Tugend diabolisch
 abheben, weiter. Die Bartholomäusnacht in Paris hat
bei vielen. Historikern die Lesart eines crime italien erhalten.
Auch vom rassenmäßigen Gesichtspunkt der Antisemiten besteht
 der wahre Fluch der arischen Menschen in der Heirat mit

28 OQettingen, 8. 393.
296 Arthur Landsberger, Haß. Ein Roman eines Deutsch-Engländers
aus dem Jahre 1950, München 1015. Müller.
            
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