Metadata : Die Eisenindustrie in Südrußland

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ordentlich  günstig.  Das  Gebiet  steht  in  direkter  Wasserverbindung
mit  der  Wolga  und  dadurch  mit  dem  nördlichen,  westlichen  und
Zentralrußland.  Auf  asiatischer  Seite  tritt  es  in  unmittelbare  Berührung ­
  mit  dem  rasch  emporkommenden  Westsibirien,  welches  schon
jetzt  einen  bedeutenden  Absatzmarkt  für  Eisenprodukte  darstellt.
Trotz  der  erwähnten  günstigen  geologischen  und  geographischen
Lage,  die  unter  anderen  Produktionsverhältnissen  den  Ural  zu  einem
der  konkurrenzfähigsten  Eisenproduzenten  machen  könnte,  befindet
sich  gegenwärtig  seine  Eisenindustrie  in  dem  Stadium  tiefsten  Verfalles. ­
  Es  sind  zwei  Haupthindernisse  vorhanden,  die  gegenwärtig
die  weitere  Entwicklung  des  Gebietes  unmöglich  machen.
Das  erste  ist  die  rückständige  Art  des  Betriebes  der  heutigen
Uralschen  Eisenunternehmungen.  Bis  zur  Gegenwart  sind  hier  verschiedene ­
  aus  der  vorkapitalistischen  Zeit  stammende  Produktionsverhältnisse ­
  herrschend  geblieben.  Eine  rückständige  Produktionsweise ­
  einerseits,  verschiedene  rechtliche  Bestimmungen  aus  der  Zeit
der  Leibeigenschaft,  wie  z.  B.  das  Possessionsrecht 1  und  manches
andere  andererseits  —  alles  das  setzt  die  Betriebsorganisation  der
meisten  Werke  in  scharfen  Gegensatz  zu  den  modernen  Forderungen
der  Eisentechnik  und  macht  hier  eine  rationelle  Produktionstätigkeit ­
  so  gut  wie  unmöglich.  Selbstverständlich  konnte  auch  die
kapitalistische  Expansion  der  90er  Jahre  im  Ural  nur  relativ  schwache
Spuren  hinterlassen.
Eine  zweite  Ursache  des  Stillstandes  sind  die  dortigen  Verkehrsverhältnisse. ­
  Es  gibt  Eisenwerke  im  Ural,  die  von  den  Eisenbahnlinien ­
  100—200  Werst  entfernt  sind' 2 .  Sie  sind  also  während  der
Winterszeit,  wenn  die  Flüsse  gefroren  sind,  fast  vollständig  von  der
ganzen  Welt  abgeschnitten.  Am  klarsten  tritt  der  Unterschied  in
den  Eisenbahnverbindungen  bei  Vergleichung  der  Dichtigkeit  des
Eisenbahnnetzes  hier  mit  dem  des  Südens  hervor.  Im  Jahre  1907
kamen  auf  je  10.00  Quadratwerst  Eisenbahnen 3 :

1

Orenburg-Gouvernem.  2,9

|

Gebiet  d.  Donezheer.

14,3

Ural

Perm-  ,.  4,5

Süden  j

Charkow-Gouvernem.

24,2

1

Ufa-  „  15,7

I

Jekaterinoslaw

44.7

1  Das  Possessionsrecht  repräsentiert  einen  Überrest  der  früheren  Gebundenheit ­
  der  wirtschaftlichen  Verfassung,  wie  sie  noch  in  der  Zeit  der  Leibeigenschaft
vorhanden  war.  So  haben  die  jetzigen  Besitzer  der  Possessionsgüter  und  -werke
kein  freies  Recht  zur  Veräußerung  ihres  Grund  und  Bodens,  oder  sogar  zur  Verpfändung ­
  derselben  ohne  Genehmigung  der  Regierung;  sie  sind  verpflichtet,
die  auf  den  Possessionsgütern  wohnende  Arbeiterbevölkerung  zu  „ernähren“  usw.
Die  Arbeiter  dagegen  müssen  ihrerseits  die  verschiedenen  ihnen  aufgebürdeten
Pflichten  bezüglich  der  Eisenwerke  erfüllen.
2  Earmakowslci,  Bergmännische  Zustände  im  Ural,  St.  Petersburg  1909
S.  27,  (russisch).
3  Kaffenhaus  a.  a.  O.,  S.  22.
            
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