fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 69 
sind schon früher berührt!, und die Tatsache des höheren Niveaus 
der Ergebnisse läßt sich schon wenigen Anzeichen entnehmen. 
Die Niederlande besaßen in ihrem verhältnismäßig kleinen Ge— 
biete schließlich fünf Universitäten; gewaltig wuchsen die ge— 
lehrten Berufsstände heran: allein die orthodor-reformierten 
Theologen zählten nach Tausenden, und fast in jeder Stadt be— 
fanden sich auch zahlreiche Vertreter der freieren gelehrten Berufs— 
arten, Ärzte, Naturforscher, Ingenieure, von der überaus ver— 
breiteten berufsmäßig-juristischen Bildung nicht zu reden. Und 
diese Entwicklung der gelehrten Stände erhob sich auf der 
Grundlage weiter Durchdringung aller führenden Kreise mit 
humanistischen Tendenzen: manche Frau verstand im damaligen 
Holland Latein und Hebräisch, in Anna Maria van Schur— 
mann besaß die Republik in der ersten Hälfte des 17. Jahr— 
hunderts sogar eine „Weise“ von europäischer Berühmtheit, 
und von Spinozas immerhin schwerverständlichen Schriften 
konnte ein Zeitgenosse sagen: sie „zijn overal te vinden en 
worden in dese jeukerige eeuw om hare nieuwheid in alle 
boekwinkels verkocht“?. Und was diese Kultur namentlich 
auch nach der ästhetischen Seite hin für die Entwicklung der 
gesamten deutschen Kultur wie an sich bedeutet hat, ist be— 
kannt genug. 
Waren aber ihre allgemeinen sozialen Grundlagen so ganz 
beständig? Galt für sie nicht auch das resignierte Wort 
Vondels: 
Opgaan, blinken, 
En verzinken 
lIs het lot van ieder staat? 
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts mochten sich noch 
alte Leute erinnern können, daß sich in ihrer Jugendzeit die 
Regenten Hollands zu den Staatssitzungen im Haag zu Fuß 
begeben und vor dem Eintritt in die Stadt Halt gemacht 
hatten, um ein frugales Mahl von Käse und Brot aus der 
1S. oben S. 37 ff. 
5 Sepp, Godgeleerd onderwijs 2 S. 374, zit. Busken-Huet 2 
S. 276.
	        
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