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Xom Brotipreis und Bäderprofit.
[iftijdhe Interefje ausgefchaltet. Dafür haben wir aber auch in unferer
Berenung nur einen dreiprozentigen Reingewinn anaenommen, während
er in Wirklichkeit weit Höher ift.
Durch die bis vor kurzem Hblihe Marimierung des Brotpreifes, für
deren Beibehaltung sans gene gerade die Kriegsverdiener {ih einjebten,
war den Broterzeugern die Mühe der Kalkulation abgenommen. Sie
brauchten auf die alten Säge immer nur die neuen Prozente aufzutürmen
und die „Kalkulation nad oben“ war fertig. So wurden fie ihre
Verantwortung und die auf Lohn und einen {tabilen Brotverbrauch an-
gewiejenen Konjumenten ihre „ftabilifierten“ Kronen 108. Die Bäcker:
meifter fonnten fich hierbei auf die von ihnen einft- fo angefeindeten
Brotinduftriellen völlig verlaffen. Sie waren (und find auch Heute) mit
ihren intimen Feinden ein Herz und eine Seele. Die alteingebürgerte
Kalkulationsmaxime, wonach der Preis des Brote dem Werte der gleichen
Sewichtsmenge des Hierzu verwendeten MehleS gleichzufeßen fei, ift längft
aufgegeben worden, denn in die Spannung zwijden Brot und Mehl-
preis haben fidh Kegien, Spefen, Zu- und Auffhläge aller Art in einer
Höhe eingeniftet, die vordem unbekannt war und auch jeßt nicht völlig
glaubhaft erfcheint,
Dieje Erjdheinung datiert nicht erft feit dem Kriege, fie war fhon
in der FriedensSzeit zu beobachten, wenn auch nicht in diejer Deutlich-
feit. Niemals folgten die Brotpreije rajch und unmittelbar den Sen-
fungen der Getreide», beziehungsweije Mehlpreife. Wber in der Nach:
friegSzeit gejdhah das Fallen der Brotpreije noch widerwilliger. Ia es
zeigte fih, daß, wenn fon nicht die Spannung zwijdhen Getreide,
Mehl und Brot, fo die zwijdhen Brotmehl und Brot immer größer
wurde, eine Tatjache, von der fich jeder überzeugen kann, der die Statiftik
der SGetreide-, Mehl- und Brotpreife zur Hand nimmt, und die nur
daraus zu erflären ift, daß vor allem die Yuote des bürgerlichen Nubenz,
die auf da Brot nebft den Lodn- und Sachregien daraufgefchlagen
wurde, undverhältnismäßig anjhwoll. In der Nationalverjammlung hat
der Minijter für Landwirtihaft am 12. Iuni 1923 das Ergebnis von
Erhebungen mitgeteilt, die folgendes befagen :
„Nach den amtlidhHen Notierungen der Wiener Börje Koftete am 1. Dezember 1922
inländijder Roggen 3625 K per kg, am 1, Juni 1923 Koftete der Roggen 3400 K,
alfo eine Berbilligung von 225 K per kg. Am 1. Degember 1922 Koftete der Laib
Brot 6900 K, am 1. Juni 1923 Koftete er 6780 K, fo daß da3Z Brot um 120 K
billiger geworden ift. Am 1. Februar 1923 Koftete der Roggen 3950 K, am 1. Juni
1923 3400 K, daher ijt der Moggen um 550 K per kg im Preife gefunken. Das
Brot fofltete am 1. Februar 1923 6750 K und am 1. Suni 1923 6780 K; das