Contents : Die Social-Demokratie

,92  IV.  Die  socialen  Nothstände  n.  die  Soc  .Demokratie.

ches  die  Social-Demokratie  mit  den  Nothständen  der  Arbeiterwelt ­
  treibt.
Der  „N.  Social-Demokrat"  erzählt  in  Nr.  13,  1874
feie  Geschichte  einer  75jährigen  Frau,  die  27  Jahre  lang  in
einem  guten  Hause  und  später  6  Jahre  lang  in  einem  andern ­
  Hause  Dresdens  gedient  hat  und  nun  an  ihrem  Lebensabend ­
  in  einer  elenden  Bodenkammer  wohnen  nnd  äußereinigen
  geringen  Unterstützungen  durch  Handel  mit  Streichhölzchen ­
  ihren  Unterhalt  erwerben  muß.
Es  ist  recht  so,  wenn  die  einzelnen  Fälle  socialen  Elends
dem  Publikum  in  ihrer  nackten  Wahrheit  vor  die  Augen
geführt  werden.  Wie  weit  die  Geschichte  jener  alten  Frau
auf  Wahrheit  beruht,  lassen  wir  dahin  gestellt  sein.  Auffallend ­
  ist  uns,  daß  der  „N.  Social-Demokrat"  seiner  sonstigen ­
  löblichen  Gewohnheit  gemäß  nicht  auch  zugleich  den
Nanien  jener  grausamen  Herrschaft  publicirt,  welche  ihre  alte
Magd  im  Stich  gelassen.  Wir  geben  zu,  daß  solche  Fälle
von  Pflichtvergessenheit  und  Lieblosigkeit  vorkommen.  Aber
was  macht  die  Social-Demokratic  ans  dem  erwähnten  Fall?
Sie  stempelt  ihn  rasch  zur  Regel  und  schreibt:
»Dieser  Fall  der  Noth,  er  ist  nur  ein  Symptom  deS
„gesammtcn  socialen  Elends.  Es  ist  nicht  die  Ausnahme,
„sondern  die  Regel,  welche  von  ihm  bezeichnet  wird.  In
„einer  Gesellschaft,  wo  die  Fabrikanten  stolz  sind  ans  ihre
„wohlgenährten  Kutschpferde,  aber  sich  den  Teufel  scheeren
„um  ihre  halbverhungerten  Arbeiter,  wo  der  Reiche  eines
„kranken  Hundes  halber  nach  dem  Thierarzt  schickt,  dem
„kranken  Bettler  aber  die  Thüre  weist,  in  einer  Gesellschaft,
„wo  solches  eine  naturgeniäße  Folge  ihrer  Grundsätze  ist,  da
„sind  Einzelfälle  des  Elends,  wie  der  erwähnte,  das  Spiegel-„bild
  der  ganzen  Gesellschaft."
So  wird  der  einzelne  Fall  einfach  generalisirt,  um  zu
            
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