Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

*)  Nachrichten  für  Handel  u.  Industrie  1913,  Nr.  28.

Inlandsrohstoffe.

kleineren  Farmbetrieben,  bei  denen  die  Methoden  zum  Teil  noch  veraltet  ul  kS
rückständig  sind.  Dazu  kommt,  daß  der  größte  Teil  der  Wolle  zunächst  durchs
die  Hände  der  ländlichen  Storebesitzer  geht,  die  sie  von  den  Farmern  aufkaufen ­
  und  in  der  Regel  wenig  Sachkenntnis  hinsichtlich  der  Sortierung,  Verpackung ­
  usw.  haben,  so  daß  die  Wolle  häufig  in  kleinen  Losen  und  in  unansehnlichen, ­
  ungleichen  und f in  der  Güte  und  Sorte  oft  gemischten  Ballen  zum  Verkauf
gelangt.  Versuche,  hierin  Wandel  zu  schaffen,  und  die  Wolle  der  verschiedenen
Schafzüchter  durch  landwirtschaftliche  Verkaufsorganisationen  auf  den  Markt  zu
bringen,  wie  dies  vor  einigen  Jahren  von  der  „Unie“  im  Orangefreistaat  angestrebt ­
  wurde,  haben  sich  nicht  bewährt.  Die  Farmer  ziehen  es  im  allgemeinen
vor,  sofort  nach  der  Schur  ihr  Geld  in  voller  Höhe  zu  erhalten,  als  nur  etwa
einen  Vorschuß  zu  bekommen  und  auf  die  Endabrechnung  monatelang  warten
zu  müssen.  Zudem  stehen  sie,  wie  es  scheint,  nicht  selten,  ähnlich  vielen  unserer
Landwirte  daheim  in  Deutschland,  zu  jenen  ländlichen  Storebesitzern  in  einem
Kreditverbältnis,  das  ihnen  die  Wahl  einer  anderen  Verkaufsart  erschwert.
Immerhin  bewegt  sich  die  Wollprodulction  Südafrikas  ihrem  Umfange  und
ihrer  Qualität  nach  zweifellos  in  aufsteigender  Linie.  Die  Regierung  ist  bemüht,
durch  Belehrung  wie  durch  eigene  Einfuhr  guten  Zuchtmaterials  auf  Verbesserung ­
  der  Rasse  hinzuwirken,  und  auch  in  den  Kreisen  der  südafrikanischen
Farmer  selbst  beginnt  sich  die  Erkenntnis  mehr  und  mehr  Bahn  zu  brechen,  daß
es  sich  bezahlt  macht,  in  der  Zucht  ein  größeres  Kapital  an  Geld,  Mühe  und
Sorgfalt  anzulegen,  als  dies  früher  häufig  der  Fall  war.
Das  Wollgeschäft  spielt  sich  durchweg  in  der  Weise  ab,  daß  die  in  Durban
aus  dem  Inlande  ankommende  Wolle  im  Wege  der  Auktion  an  die  Wollkäufer
veräußert  wird,  die  sie  für  Rechnung  bestimmter  europäischer  Auftraggeber  oder
auf  Spekulation  erstehen.  Die  Zahl  dieser  Wollkäufer  ist  in  den  letzten  Jahren
zum  Nutzen  der  südafrikanischen  Produzenten,  aber  zum  Nachteil  der  europäischen ­
  Wollinteressenten  erheblich  gewachsen.
Der  Export  der  Wolle  findet  durchweg  als  Schweiß  wolle  statt.
Wenn  auch  in  Qualität  z.  B.  der  australischen  Wolle  unzweifelhaft  nachstehend, ­
  findet  die  auf  den  europäischen  Märkten  unter  dem  Namen  Kapwolle
gehandelte  südafrikanische  Wolle  in  Europa  im  allgemeinen  glatte  Abnahme.

Mohairwolle.  Britisch-Südafrika  liefert  die  größten  Mengen  Mohairwolle.
Fast  die  Hälfte  der  in  England  verarbeiteten  Mohairwolle  stammt  aus  Südafrika.
Über  den  Mohairmarkt  in  Britisch-Südafrika  berichtet  das  Deutsche  Generalkonsulat ­
  in  Kapstadt 1 )  wie  folgt:
Nach  einem  Berichte  des  Handelssachverständigen  der  südafrikanischen
Union  in  London  liegt  im  großen  und  ganzen  der  Verkauf  von  Mohair  in  London
in  den  Händen  einer  einzigen  Firma,  die  den  Weiterverkauf  an  die  Spinnereien
in  Bradford  besorgt.  Bradford  spinnt  ungefähr  85  Proz.  aller  Mohairgarne,  die
in  der  Welt,  mit  Ausnahme  der  Vereinigten  Staaten,  gebraucht  werden.  Es
            
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