Full text: Warum reisen Arbeiterdelegationen nach Sowjetrußland?

„,. Aus allem, was wir aus Euerm Schreiben gefunden haben,. 
konnten wir nur dialektische Methoden erkennen, die Euch und der 
Klasse, die Ihr zu vertreten angebt, nichts nützen. Stellt Eure Ar- 
beitskrait dem russischen Proletariat zur Verfügung, reihet Euch ein 
in die gemeinsame Arbeiterfront, dann wird Euch die Geschichte des: 
Sozialismus dankbar sein. 
Diese Antworten treffen ins Schwarze. Sie sind es, die die 
Arbeiterdelegationen und ihre Berichte der internationalen Sozialdemo-. 
kratie so sehr verhaßt machen. Die sozialdemokratischen Arbeiter 
haben nach ihrem Aufenthalte in der USSR. die Notwendigkeit des, 
Kampfes der kommunistischen Revolution gegen alle sogenannten sozia- 
listischen Parteien eingesehen und in zahlreichen Dokumenten zum 
Ausdruck gebracht, im besonderen die Deutschen und die Tschecho- 
slowaken, die den wahren Wert ihrer Sozialdemokratie erkannt haben. 
Aber auch die Arbeiter der anderen Länder, die aus der Praxis wissen, 
was die Sozialdemokratie darstellt, mußten die Notwendigkeit von 
Zwangsmaßnahmen gegen die Sozialdemokraten im Interesse der Revo-. 
lution anerkennen. Wir vertreten nicht den Standpunkt, daß die Inter- 
nierung unserer Gegner in Gefängnissen ein idealer Zustand ist. Das 
ist eine vorübergehende durch bestimmte praktische Erwägungen her-- 
vorgerufene Erscheinung, Mit fortschreitender Festigung der sozia- 
listischen Wirtschaft und Ueberwindung des von der internationalen 
Bourgeoisie ausgeübten Druckes wird die Diktatur des Proletariats ge- 
lockert werden, was sich zweifellos auch auf die Lage der verschiedenen 
sogenannten sozialistischen Gruppierungen auswirken wird. Sie werden 
unschädlich werden und als solche von der Sowjetregierung unbehelligt 
bleiben. 
Sozialismus oder Kapitalismus 
Was für eine Wirtschaft baut die Arbeiterklasse der USSR.? Eine 
sozialistische sagen wir. Die internationale Sozialdemokratie bestreitet 
dies, Sie sagt, der Sozialismus in Rußland hat Bankerott gemacht, 
Rußland steigt nur in dem Maße auf, als es dem Privatkapital die 
Hände löst. Sozialismus oder Kapitalismus? Das ist das jeden Dele-- 
gierten interessierende Problem. In dem Aufrufe der tschechoslowaki- 
schen Delegation heißt es: 
„Das Wirtschaftsleben in der Sowjetunion entwickelt sich in auf-. 
steigender Linie, gleichzeitig wächst auch der Wohlstand der Werk- 
tätigen, Die Sowjetwirtschaft ist noch nicht eine vollkommen sozia- 
listische Wirtschaft, obgleich viele Branchen sich in bedeutendem 
Maße sozialistischen Formen genähert haben, Als Ganzes betrachtet 
ist die Sowjetwirtschaft eine Uebergangsstute zur reinen sozialistischen 
Planwirtschaft,” („Trud‘ vom 7. November 1925.) 
„Die von Euch in kurzer Zeit erreichten Erfolge zwingen nicht nur‘ 
die deutsche Delegation, sondern auch alle Arbeiter Deutschlands, 
Euch mit Achtung zu begegnen. Mit besonderer Genugtuung haben 
wir das Verhältnis zwischen der Sowjetregierung ‚und den Intel- 
lektuellen, den Technikern und Ingenieuren, Lehrern usw, fest-. 
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