Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

II. Rationalisierungsformen 
selbständigen Einzelunternehmungen deutlich ab. Beiden Kombinie⸗ 
rungsformen ist die Absicht gemeinsam, den eigenen Gewerbezweig vor 
Erschütterungen durch anonyme Maͤchte (Krisen!) oder gegnerische 
soziale Gruppen oder Einzelpersonen zu bewahren und die eigene 
Stellung innerhalb der Gesamtwirtschaft so kraftvoll wie möglich 
auszubauen. Die Mittel, deren sich die Genossenschaften hierbei 
bedienen, sind allgemein bekannt: gemeinschaftliche Kreditbeschaffung 
und Maschinenbenutzung, gemeinschaftliches Vorratslager, gemein⸗ 
schaftlicher Einkauf und Vertrieb. Weniger bekannt sind die Mittel, 
mit denen die Kartelle die Vorteile der Kombinierung wahrzu⸗ 
nehmen suchen. 
Man spricht bei der Betaͤtigung der Kartelle von Konventionen, 
Preiskartellen, Konditionenkartellen und Verkaufskar⸗ 
tellen. Die Mehrzahl der Kartelle stellt sich als eine Mischform dar, 
die mehrere dieser Tätigkeitsgebiete umschließt. Die höchste Stufe des 
Verkaufskartells betätigt sich auf sämtlichen Gebieten zugleich. Kaum 
ein Kartell gleicht in seiner Struktur dem anderen. Mit Recht wird 
deshalb betont, daß es abwegig ist, die Kartellwirkungen in Pausch 
und Bogen zu beurteilen oder zu verurteilen *). 
Die Bedeutung der Kartelle für die Rationalisierung ist je nach 
ihren Tatigkeitsgebieten sehr verschieden. Konditionenkartelle 
lassen es im allgemeinen bei der Regelung der Verkaufsbestimmungen 
bewenden, im einzelnen also bei der Festsetzung der Lieferungs⸗, der 
Zahlungsbedingungen, der Zahlungsweise und der Zahlungstermine. 
Sie üben selten auf die wirtschaftliche und technische Vervollkommnung 
der ihnen angeschlossenen Mitgliederbetriebe eine nennenswerte 
Wirkung aus, sondern begnügen sich im allgemeinen mit der Emp⸗ 
fehlung organisatorischer un technischer Neuerungen, ohne zu 
prüfen, ob dieser Empfehlung Folge geleistet wird. Anders die Preis⸗ 
kartelle. In positiver Richtung wirken sie vor allem durch Aus⸗ 
arbeitung einheitlicher Kalkulationsschematas insbesondere auf das 
) Lehnich, Kartelle und Staat, Verlag Reimar Hobbing, Berlin 1928, Seite 43. 
Rauecker
	        
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