der modernen Zivilisation anzugreifen. Mussolini hat als erster offen ausge-
sprochen, daß eine Staatsordnung — seine Staatsordnung — die vollkom-
mene Verleugnung aller Grundsätze von Demokratie, Freiheit und Frieden
bedeute. „Wir verkörpern ein neues Weltprinzip‘‘, hat er gesagt. „Wir ver-
körpern den strengen, kategorischen, endgültigen Gegensatz zur Gesamtwelt
der Demokratie, der Plutokratie, der Freimaurerei, kurz zur Welt der »un-
sterblichen« Prinzipien von 1789.“
Wilhelm II. drohte, Mussolini droht auch, obwohl er über viel bescheidenere
Mittel verfügt. „Drei Millionen italienische Männer stehen bereit, gegen Nor-
den oder Süden in den Kampf zu treten!“ — hat er ausgerufen.
Gleich wie Wilhelm II. das Meer beherrschen wollte, hat Mussolini mehr-
mals ausgesprochen, daß das Mittelmeer von neuem ein römischer See werden
muß. Nun aber haben verschiedene Staaten teil am Mittelmeer, vor allem
Frankreich und England. Können sie sich ohne kriegerische Entscheidung
damit abfinden, das Mittelmeer als: den römischen See anzusehen?
Was ist aber die Verleugnung der Prinzipien von 1789? Jene Prinzipien
sind im Grunde dieselben, auf denen die amerikanische Staatsverfassung von
1787 beruht; sie sind die Grundlage der modernen Zivilisation. Entweder
man bekennt sich zu diesen Prinzipien, oder man kehrt zurück zur Barbarei,
zu den Zeitläufen, die noch keine Zivilisation besaßen. Entweder gibt es ein
freies Mehrheitsregiment oder ein despotisches Regiment, wo ein einzelner
Mensch alle Macht in sich vereinigt und die Gesamtheit gehorcht.
Vor Mussolini hatte kein Leiter einer Regierung, kein Staatsoberhaupt die
Prinzipien verleugnet, auf denen alle modernen Demokratien beruhen. Keiner
hatte die edelste Errungenschaft, die Menschenrechte, zu verletzen gewagt.
Diese Verleugnung ist keine Staatslehre, noch weniger ist sie ein Fortschritt.
Sie ist ‚ein versuchsweises Zurückgreifen auf Vergangenes; sie bedeutet die
Moral der Gewalt,das Prinzip der Diktatur, was nur Revolution und Krieg zur
Folge haben kann.
In allen absoluten Monarchien von Gottes Gnaden wird die Forderung
des blinden Gehorsams der Untertanen durch den göttlichen Ursprung des
Herrschertums gerechtfertigt. Aber kann man Männern blindlings gehorchen,
die nur im Namen einer Partei reden, wenn ihre heutige Partei gebietet, die
von gestern zu vernichten? Wo ist die Hoheit der Monarchien von Gottes
Gnaden, welche der unwissenden Menge Ehrfurcht gebot? Es kann also keine
Ehrfurcht, sondern nur Furcht, Scheu, Sorge fürs Leben oder etwa auch Ge-
meinsamkeit von Interessen geben. Der alte Absolutismus fand in sich selbst
seine Verteidigung; der neue findet sie in der Gewalt.
AA