Full text: Der Weg der Reparation

einzureichen, wobei auch die Lieferung von Waren und von 
Wertpapieren sowie die Ausgabe einer Anleihe in Betracht 
kommen könne, Der Schriftwechsel über diese ungeheuerliche 
Forderung nahm solche Formen an, daß die Reparationskom- 
mission wieder mit der Anwendung der bekannten Sanktions- 
paragraphen des Versailler Vertrages drohte. Als auch das nichts 
half, verlangte die Reparationskommission den Abtransport des 
gesamten Gold- und Silberbestandes der Reichsbank an die 
Stellen der Reichsbank in Köln oder Koblenz, Wenn die Regierung 
sich dem widersetze, so werde die Auslieferung des Goldes und 
des Silbers an die Reparationskommission verlangt werden, Alle 
diese Forderungen wurden als Ultimatum gestellt, auf das binnen 
wenigen Tagen zu antworten war, Die deutsche Regierung lehnte 
die Uebertragung des Metallbestandes der Reichsbank als unmög- 
lich ab, weil letztere ein selbständiges, vom Reiche unabhängiges 
Institut sei, Sie erklärte ferner, daß die Wegschaffung des Goldes 
aus der Reichsbank in Berlin den letzten Rest des deutschen 
Kredits zerstören und damit die Reparation unmöglich machen 
würde, Daraufhin verlangte die Reparationskommission die Aus- 
lieferung von einer Milliarde Mark in Gold bis zum 30. April. 
Am 29, April teilte. die deutsche Regierung mit, daß sie der 
Regierung der Vereinigten Staaten Vorschläge für die Lösung 
des Reparationsproblems übermittelt habe, wobei auch in Aus- 
sicht genommen sei, der Reparationskommission. sofort die eine 
Milliarde Goldmark in folgender Weise zu zahlen: 
150 Millionen in Gold, Silber und. Devisen sowie 
850 Millionen in dreimonatigen Schatzanweisungen fremder 
Währung, 
Die Reparationskommission antwortete lediglich mit.der formellen 
Anzeige an die alliierten Mächte, daß Deutschland seine Ver- 
pflichtung zur Zahlung der zwanzig Milliarden nicht erfüllt habe 
und mit mindestens 12 Milliarden im Verzuge sei, 
Inzwischen war die deutsche Regierung in ihrer Not auf 
die seltsamsten Mittel verfallen, aus der verzweifelten Lage 
herauszukommen. Sie wendete sich an den päpstlichen Stuhl, 
natürlich ohne jeden Erfolg. Sie wollte auch auf den Vorschlag 
Bergmann, Der Weg der Reparation 7 
07
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.