rund 40000 landwirtschaftlichen Genossenschaften umfaßt der
Reichsverband allein schon etwa 26000, der Landbund etwa
2000, der Raiffeisenverband rund 9000.) Das ist der zweite wichtige
Schritt zum agrarkapitalistischen Monopol. Die Eini-
gung ging um so.leichter, als der Fonds von 25 Millionen Mark alle
besonderen Ausgaben für die Liquidation der unhaltbar gewordenen
Einrichtungen und Anstalten, für Zusammenlegungen und Ausver-
käufe glatt deckt. Die Verschmelzung der Landbundgenossen-
schaften mit dem Reichsverband wurde schon vor Jahren ange-
strebt, Damals scheiterten die Verhandlungen an den, sagen wir
‚undurchsichtigen‘ Verhältnissen in den Landbundgenossenschaften.
Jubelnd teilt die „Deutsche Tageszeitung‘ mit, daß jetzt „die Ver-
hältnisse der Landbundgenossenschaften klarliegen”.
Zwischen dem Raiffeisenverband und dem Reichsverband be-
stehen offenbar noch ernste Differenzen, Auf den großen Tagungen
der beiden Körperschaften am 20, Juni in München und Königsberg-
Ostpreußen wurde mit keinem Wort auf die Verschmelzung hinge-
wiesen, Man begnügte sich, vor allem in München (Reichsverband)
mit einem Protest gegen staatliche Bevormundungsversuche, Man
möchte die bewilligsten Gelder nach eigenem Gutdünken ver-
brauchen. .
Insbesondere hat die Absicht des neuen Direktors der Preußen-
kasse, Klepper, eine schärfere Kontrolle über die kredit-
nehmenden Genossenschaften auszuüben, verstimmt. Es besteht
aber kein Zweifel, daß der genossenschaftliche Einheitsverband auf
dem Marsche ist, zumal das große Finanzkapital, das die genossen-
schaftlichen Banken und Warenanstalten finanziert, darauf drängt.
Auch die Regensburger Zentralgenossenschaft des
Dr. Heim, die den Bayrischen Bauernvereinen und der Bayrischen
Volkspartei nahesteht, hat noch Einwendungen gegen den Einheits-
verband. Auf der Herbsttagung der Vereinigung deutscher Bauern-
vereine erklärte Dr. Heim, es müsse verlangt werden, daß der Betrag
zur Unterstützung der Genossenschaften, die im „Notprogramm” auf
25 Millionen Mark festgesetzt ist, auf 100 Millionen Mark erhöht
werde. Die Bauernvereine lehnten jedoch den Gedanken ab, die
Rationalisierung nur in einer Zentralisierung zu sehen. Es handelt
sich hierbei um den Konkurrenzneid der einzelnen Führer, die zwar
das Reichsgeld nehmen, sich aber nicht der Hegemonie des großen
Reichsverbandes, die im Einheitsverbande natürlich kommen müßte,
unterwerfen wollen.
Für die Arbeiterschaft und kleinen Bauern bedeutet das Lebens-
mittelmonopol der genossenschaftlichen Spitzenverbände, die ganz
und gar Organe des großen Agrarkapitals sind, nichts als steigende
Teuerung, Preisstabilisierung nach oben. Erst im revolutionären Ar-
beiter- und Bauernstaat wird der genossenschaitliche Einheits-
verband das große Mittel des ökonomischen Bündnisses der Arbeiter
und Bauern.