Full text : Finanzwissenschaft

Ex 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
lich der schonende Charakter der Besteuerung macht die Verwirklichung
 des von Lewis aufgestellten Prinzips möglich, daß das
Maximum der Steuer mit dem Minimum der Unzufriedenheit eingehoben
 werde.
6. Ethik. Was den ethischen Charakter des Steuersystems
betrifft, so läßt sich derselbe namentlich folgendermaßen formulieren:
1. unsittliche Einnahmequellen sollen nicht sanktioniert werden; 2. die
Beamten der Finanzverwaltung sollen nicht der Verführung ausgesetzt
sein; 3. die Steuer soll nicht zu Unsittlichkeit, Mißbrauch, Betrug
verleiten. Vieles hängt freilich davon ab,.ob auch der Staat bei
der Besteuerung die ethischen Postulate vor Augen hält*). Die
Steuer kann sogar in gewissem Maße auf die Hebung des sittlichen
 Niveaus einwirken, namentlich auf die Einschränkung des
unvernünftigen, ungesunden, unwirtschaftlichen Luxus. So war die
Folge der Besteuerung des Haarpuders in England (1795), daß
diese sonderliche Mode einging?). Namentlich im Gefolge der indirekten
 Steuern zeigt sich viel Korruption. So sagt George,
daß die amerikanischen Steuern, zumeist Zölle und Verzehrungssteuern,
 geradezu als Verfügungen betrachtet werden können zur
Korrumpierung der Beamten, zur Unterdrückung der Ehrlichkeit,
zur Ermutigung des Betruges, zur Belohnung des Meineides und
der Verleitung zu Meineid, sowie daß der Begriff der Gerechtigkeit
und des Gesetzes gewaltsam voneinander getrennt werden sollen ®).
C. Sonstige Grundlehren.
I. Abschnitt.
Die staatstheoretische oder politische Grundlage
des Steuerwesens.
1. Wechselwirkung von Staatslehre und Steuerwesen.
 Nachdem der Staatshaushalt seiner Organisation nach
einen Zweig der Staatstätigkeit bildet, andererseits wirtschaftliche
Tätigkeit zur Deckung der Staatsbedürfnisse ist, so sind die Grund-1)
 Sehr richtig sagt Bauer (Finanzarchiv XIX. Jahrg., S. 73): „Die ethisehen
 Gesichtspunkte müssen auf beiden Seiten vorhanden sein. Nur ein vollkommeneres
 Steuerrecht kann eine vollkommenere Erfüllung seiner Forderungen
verlangen.“
?) Tooke, History of prices, Deutsche Ausgabe, I. Bd., S. 97.
3) Progress and poverty, S. 369.

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