Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

© Fehlen ‚eines agrarischen Wirtschaftsgeistes 
seinem Stück Land durch keinerlei Sentiments verbunden, 
eine Anhänglichkeit an die Scholle, der Wunsch nach der 
Erzielung des Lebensunterhalts an derselben Stelle, die schon 
den Vorvätern dazu gedient hat, das Festhalten an alten Über- 
lieferungen und Arbeitsmethoden, sind ihm ganz fremd. Sein 
Haus wie seine Möbel hat er fertig aus der Fabrik bezogen, 
er umgibt sich mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik, 
sucht möglichst enge Beziehungen zu den nächstgelegenen 
Städten zu unterhalten. Er betreibt Landwirtschaft, würde 
aber auch in der Industrie tätig sein, wenn sich ihm dort eine 
bessere Chance böte. Er bewirtschaftet seine Farm auch in 
einer Weise, die der industriellen Arbeit sehr nahe kommt. 
Wo es nur irgend möglich ist, bedient er sich der Maschinen, 
die ihm die mangelnden Arbeitskräfte ersetzen müssen, und 
man könnte sagen, daß er eigentlich der erste gewesen ist, 
der in Amerika mit der Serienherstellung begonnen hat; er 
erzeugt Weizen oder Mais, genau so, wie eine Fabrik eine 
Werkzeugmaschine oder Schwefelsäure herstellt. Spezielle 
landwirtschaftliche Kenntnisse gehen ihm in sehr vielen Fällen 
ab, so daß er schon aus diesem Grunde sich mit der Produktion 
einer sehr geringen Zahl von Kulturgewächsen begnügen muß 
und seinen Betrieb oft nur auf eine einzige abstellt, also ge- 
wissermaßen nur Massenprodukte zu liefern in der Lage ist. 
Die Homogenität über das Gesamtgebiet der Union hinweg 
ist jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
hergestellt worden. Ursprünglich waren auch hier ver- 
schiedene Wirtschaftsgesinnungen vorhanden ge-
	        
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