Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

Bewertung des Vermögens 49 
kommens das ganze Leben hindurch der Größenordnung nach 
ziemlich festliegt oder die wahrscheinliche obere Grenze leicht 
zu erkennen ist. 
Aber man hängt nicht sehr am Gelde. Im Business ist das 
Geld ein Spiel; es kommt dem Kampftrieb des Amerikaners 
entgegen, ist ihm ein Sport, ein Tonikum, gewährt ihm inner- 
halb einer Gesellschaft, der alles Romantische abgeht, einen 
Ersatz für die gleichmäßige und nüchterne Ausfüllung seines 
Tages. Wie der richtige Spieler muß er wagen; er liebt und 
sucht das Risiko, denn der Hauptreiz des Geldes liegt für ihn 
im Erwerben, weniger im Besitz, im gewachsenen Bankkonto. 
Daß die Beziehung zum Gelde von der europäischen doch 
beträchtlich abweicht, läßt sich auch nach anderen Kriterien 
dartun. Namentlich in der sehr verschiedenen Bewertung 
des Vermögens und vor allem des ererbten Vermögens. Man 
setzt es relativ leicht aufs Spiel. Sein Verlust trifft den Ameri- 
kaner weit weniger schwer als den Europäer, nicht nur wegen 
der größeren Leichtigkeit des Wiedererwerbs, sondern weil man 
gar nicht so stark nach der Geborgenheit hinstrebt, den es 
verleiht. Sich aus jenem Grunde das Leben zu nehmen, wird 
man daher als Feigheit, vor allem aber als Beweis für einen 
Mangel an Energie und Betätigungswillen ansehen. Der Reich- 
tum führt zur Achtung, die zu gewinnen sich jeder abmüht, 
um seinem Besitzer aber wirklich allgemeines Ansehen zu 
verschaffen, muß er dessen eigener Arbeit seine Entstehung 
verdanken. Nur das selbst erarbeitete Geld wird wirklich ge 
schätzt, viel weniger schon rein spekulativ gewonnenes, und die 
Rühl, Vom Wirtschaftsgeist in Amerika D
	        
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