Full text : Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

bo) Materialismus der Amerikaner
meisten Amerikaner werden auch der Meinung Rockefellers
sein, daß das Geld, das ohne eine Leistung einem Menschen
zukomme, selten eine Wohltat sei und oft sogar ein Fluch 7%.
So stürzt sich denn auch der Sohn des reichen Mannes früh
in den Lebenskampf, um sich nicht den Spotinamen eines
Remittanceboys zuzuziehen, mit dem man die Leute zu bezeichnen
 pflegt, die von einem Zuschuß leben. Es besteht auch
keinerlei Tendenz, im Erbgang eine Bevorzugung des erstgeborenen
 Kindes vorzunehmen.
Der Amerikaner steht seit jeher in dem Ruf, ein
Materialistzu sein, ein Vorwurf, der ihm aber in Wirklichkeit
 nur in eingeengter Form gemacht werden darf. Er ist
es insoweit, als er die materielle Seite des Lebens in ihrer
Bedeutung für den Einzelnen und für das Leben überhaupt
maßlos überschätzt, jeden Fortschritt auf diesem Gebiet als
einen Zuwachs an Glück betrachtet. Andererseits ist aber gerade
 der amerikanische Geschäftsmann in weit höherem Grade
als der europäische von einer Idee erfüllt, überzeugt, mit seiner
Arbeit einer großen Aufgabe zu dienen, während der europäische
 größtenteils mit seinem persönlichen Gelderwerb die
seine bereits erfüllt zu haben glaubt. So ist denn der Amerikaner
 nicht ganz im Unrecht, wenn er jenen Vorwurf des
Materialismus nicht nur zurückweist, sondern ihn auf den
Europäer zurückwirft und ihm daneben seine Engigkeit in
Geldsachen, sein Schnappen nach kleinen Vorteilen, sein Rechnen
 und Kalkulieren in Dingen, in die sich nach seinem Gefühl
 das Geld nicht hineinmengen soll, wie etwa die Eheschlie-SC


            
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