Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

Mitgift, Lotteriespiel, Glücksspiele 5 
ßung, vorhält. Es ist gewiß bezeichnend, daß in amerikani- 
schen Romanen und Novellen sehr häufig eine Angabe über das 
Einkommen der handelnden Personen gemacht wird, ebenso 
bezeichnend für die Stellung des französischen Volkes zum 
Gelde, welch große Rolle in seiner Literatur die Mitgift des 
weiblichen oder das Vermögen des männlichen Ehepartners 
spielen. Sehr mit Recht hat Münsterberg als ein Zeichen der 
tiefgehenden Verschiedenheit amerikanischer und europäischer 
Geldauffassung betont, daß die Institution der Mitgift, die 
doch in ganz Europa existiert, in Amerika unbekannt ist 77, 
und auch der amerikanische Soziologe Ross hebt mit einem ge- 
wissen Stolz hervor, daß bei seinem Volk die Liebe weniger 
durch den Dollar befleckt würde als bei irgendeinem anderen, 
das die Geschichte kenne 78. 
Auch das Fehlen des Lotteriespieles ist von Münster- 
berg in diesem Zusammenhang erwähnt worden, das selbst 
dann gesetzlich verboten ist, wenn es wohltätigen oder gemein- 
nützigen Zwecken dient, und die gleiche Verachtung trifft alle 
reinen Glücksspiele, die durchaus verpönt sind; dem An- 
sehen des Eisenkönigs Schwab tat es z. B. seinerzeit sehr star- 
ken Abbruch, als die Zeitungen meldeten, daß er in Monte Carlo 
am Spieltisch zu finden gewesen sei?9. Das Spielen an der 
Börse, das bis in die unteren Schichten hinabdringt, hat für 
den Amerikaner nicht den Sinn eines reinen Zufallspiels, be- 
deutet ihm etwas ganz anderes: hier entscheiden die bessere 
Übersicht, Kenntnis, Konjunkturausnutzung, und das gleiche 
gilt von den Wetten, für die er nicht nur beim Sport, son- 
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