Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

54 Die neue Einwanderung 
man schließlich als Eintrittsgeld in den Vereinigten Staaten 
von ihnen forderte. Sie standen moralisch und wirtschaftlich 
auf einem ganz anderen Niveau, entstammten größtenteils den 
Städten und blieben in den weitaus meisten Fällen auch schon 
in den großen Städten des Ostens hängen. Land war nicht 
mehr in größerem Umfang zu haben, aber Landerwerb war 
auch nicht das ihnen vorschwebende Ziel. Sie wünschten gar 
nicht, sich eine neue Heimat zu schaffen, waren nicht home- 
seekers, sondern work-seekers. Ihr einziges Bestreben ging 
dahin, ihre wirtschaftliche Lage zu bessern, aus ihrem Elend 
herauszukommen, an den hohen Löhnen teilzunehmen, 
oft nur eine gerade vorhandene günstige Konjunktur aus- 
zunützen ; sie wollten Geld. Ihre Absicht war, sich möglichst 
nur so lange im Lande aufzuhalten, bis sie sich bei beschei- 
denster Lebenshaltung etwas erspart hatten, um dann nach 
Hause zurückzukehren ; sie kamen daher auch vielfach einzeln 
und hatten ihre Familien zurückgelassen, an die sie dann 
ihre Ersparnisse schickten, die sich zusammengenommen auf 
mehrere hundert Millionen Dollar im Jahre beliefen. Ein 
Arbeitsfeld fanden sie in ungelernter Tätigkeit als Straßen- 
bauer, Eisenbahnbauer, Bergarbeiter, sie ließen sich als 
Händler und kleine Handwerker in den Vierteln nieder, die sich 
ihre Volksgenossen zum Wohnsitz ausgesucht hatten, oder sie 
gingen in die Fabriken, in denen die zunehmende Mechani- 
sierung der Arbeit es erlaubte, daß man sich mit „hands“ 
begnügen konnte. Neben den Schiffahrtsgesellschaften, denen 
sie die Zwischendecke füllten, hatten namentlich die großen
	        
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