Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 161
Konnten nun die deutschen Städte, mit den schwedischen
Zuständen so eng verbunden, das gewaltsame Vordringen König
Waldemars gegen Schweden ohne Einspruch ansehen? Und
was hatte Waldemar Schweden genommen!
Wisby war noch immer der wichtigste Verkehrspunkt im
ganzen östlichen Becken der Ostsee; nicht vergebens meldete
das Volkslied von seinem außerordentlichen Reichtum:
Nach Centnern wogen die Goten das Gold,
Sie spielten mit Edelsteinen,
Die Frauen spannen mit Spindeln von Gold,
Aus silbernen Trögen gab man den Schweinen.
Und Schonen mußte erst recht als das Goldland der
deutschen Städte bezeichnet werden. Schon früh hatte es
deutschen Einfluß erfahren; der Dom zu Lund, soweit er der
Erneuerung nach dem Brande des Jahres 1072 angehört, ist
niederrheinischen Stils; erblickt man die Turmseite oder den Chor
des prächtigen Gotteshauses, so glaubt man sich nach Köln oder
an den Laacher See versetzt; gleichzeitig mit den Kirchenbauten
auf Gotland haben deutsche Meister auch in Schonen gewirkt.
Für die deutschen Städte des 14. Jahrhunderts aber war
Schonen vor allem wichtig als Fangplatz des Herings. Während
Roeskilde, damals noch die dänische Hauptstadt, fast nur aus Burg
und Kirchfreiheit bestand, während auch Kopenhagen erst ein
kleiner deutscher Hafen von wenigen Straßenzeilen war, galten
Malmoe, und vor allem Skanör und Falsterbo an der schonenschen
Küste, jetzt elende, sandverwehte Flecken, schon als wichtige
Städte. Hier bestand zur Spätsommerzeit der regste Verkehr;
Tausende von Fischerbooten schossen hin und her; Böttcher
arbeiteten an zahlreichen Tonnen für den Fischversand, und
von weither wurde das Salz aus Kolberg, aus Lüneburg, von
den Salinen des Weststrands gelandet. Zugleich aber ward
Markt abgehalten: auf ihm trafen sich die Kaufleute des
Südens und Nordens zum Austausche von Manufakten und
Erzeugnissen des Landes. Und all dies Leben war vornehmlich
deutsch; im Jahre 1328 hatte Lübeck sogar das Recht empfangen,
durch seinen Vogt auf Schonen über Hals und Hand richten
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IV. 11