Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 475
Lenda und Wongrowitz und in den Starosteien von Meseritz,
Kopnitz und Rogasen; und das deutsche Recht, einst der über—
legene Feind alles slawischen Rechtes, ward vereinzelt zwar
noch bis ins 16. Jahrhundert hinein aufgenommen und ver⸗
arbeitet, aber schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts war
den Städten verboten worden, ihr Recht vom Magdeburger
Oberhof zu holen, und im 15. Jahrhundert wütete man überall
zegen das besondere deutsche Recht des städtischen Bürgertums.
Nun war freilich die Aufnahme deutschen Wesens bei den
slawischen Völkern niemals besonders tief gewesen: sie haben
sich diesen Einflüssen wie später denen des italienischen
Humanismus und der Renaissance zwar sehr rasch und leicht,
aber immer zugleich nur leichtlebig und vorübergehend geöffnet.
Aber eben die dieser Erscheinung zu Grunde liegende psychologische
Disposition war gefährlich. Von den Nomadenvölkern des
Ostens her fortdauernd bedroht, hatten die Slawen selbst etwas
Unsicheres und Unstetes angenommen, Eigenschaften, die ihnen
auf lange die tiefere Aufnahme der westeuropäischen Kultur
erschwert haben; und nirgends war dies augenscheinlicher der
Fall, als bei dem führenden Slawenvolke des Mittelalters, bei
den Polen.
So mochte der Deutschorden Polen gegenüber auf seiner
Hut sein: mit Recht gab er die Bestrebungen nach der baltischen
Seeherrschaft trotz lockenden Erfolges auf und suchte Anhalt am
deutschen Mutterboden zur Vorbereitung auf schwere Kämpfe.
Nachdem es ihm mißlungen war, die pommerschen Herzöge durch
Geldlehen an sich zu fesseln, kaufte er von den Luxemburgern die
Neumark Brandenburg. Dieser Erwerb stellte die territoriale Ver—
bindung mit dem deutschen Westen trefflich her, schnitt aber freilich
gleichzeitig Polen von der Ostsee ab. So brachte der Schritt,
der Preußen vor Polen retten sollte, schließlich gerade den
Kriegsfall. Nach widerlichem Zank um die Grenzburg Striesen
brach der Streit zwischen Preußen und Polen offen aus; er
führte in der Schlacht von Tannenberg, am 15. Juni 1410,
zur vollen Niederlage des Ordens.
Nun blieb zwar auch jetzt noch das Ordensland ziemlich