Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
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Heere mehr. In Sizilien mußten Zwangsanleihen bei den Be— 
amten aufgenommen werden; in Mittelitalien errichtete Azzo 
von Este, in Oberitalien Ezzelino da Romano ein Schreckens⸗ 
regiment zur Erhaltung der staufischen Macht; der Kaiser, auf 
die Hilfe eines zuchtlosen Adels angewiesen, ließ es geschehen; 
seine eignen Maßregeln schmeckten immer mehr nach Blut. 
Trotzdem war Friedrich nicht gebeugt. Sein Liebling Enzio 
fiel nach der unglücklichen Schlacht von Fossalta (26. Mai 1249) 
in die Hände der Bolognesen zu ewiger Gefangenschaft; wieder— 
holte Verschwörungen gegen sein Leben kamen ans Tageslicht: 
er blieb aufrecht und voller Hoffnung. So ist er am 18. De⸗ 
zember 1250 zu Fiorentino bei Foggia gestorben, unbesiegt noch 
und eben in Begriff, ein neues apulisches Heer gegen die Hydra 
des lombardischen Bundes zu führen. 
Der Kaiser hatte seinen Sohn, den deutschen König Konrad, 
zu seinem Nachfolger im Kaisertum designiert und ihm das 
sizilische Reich vererbt; von ihm als sizilischem Könige sollte 
Manfred, ein natürlicher Sohn Friedrichs, mit dem Fürstentum 
Tarent belehnt werden. 
Konrad folgte sofort dem Zuge des Geschlechtes nach Süden. 
Nachdem er in Deutschland unter rücksichtsloser Verpfändung 
der letzten finanziellen Hoheitsrechte des Reiches ein kleines Heer 
mühsam gesammelt, überschritt er im Oktober 1251 die Alpen, 
schlug sich nach Unteritalien durch, eroberte Neapel und sah die 
Bahn großer Thaten vor sich geebnet, als er am 20. Mai 1254 
der Fieberluft des Südens erlag. 
Nun ergriff Manfred die legitime Führung der staufischen 
Partei in Unteritalien und Sizilien, und im Kampfe bald, 
bald im Einvernehmen mit den Päpsten begründete er das 
sizilische Reich zu neuer Festigkeit, ja führte eine Blütezeit empor 
über das geprüfte Land. Am 11. August 1258 empfing er zu 
Palermo die königliche Krone; mit Helena, einer griechischen 
Fürstentochter vermählt, machte er die schöne Hauptstadt wiederum 
zu einem bevorzugten Sitze der Musen. Inzwischen dauerten 
in Ober⸗ und Mittelitalien furchtbare Kämpfe zwischen den 
staufischen Parteien und ihren Feinden fort, in denen bald das
	        
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