Haushaltsrechnungen.
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§ 6
statistische Regelmäßigkeit schwerer nachweisen lassen; je individueller das Be
dürfnis, um so schwankender die Durchschnittszahl.
Innerhalb der Nahrungsausgaben hat man eine mit dem Einkommen steigende
Quote der animalischen auf Kosten der pflanzlichen Nahrung beobachtet; wohl
nicht nur, weil die animalischen Nahrungsmittel teurer, wohlschmeckender und bis
zu gewissem Grade bekömmlicher sind, sondern auch weil die kleinen Beamten mit
sitzender Lebensweise, die in der reichsdeutschen Erhebung stark vertreten sind,
und deren Einkommen relativ hoch ist, sie physiologisch nötiger haben. Aber auch
mit zunehmender Kopfzahl der Familie nimmt die vegetarische Quote in der Nahrung
zu, weil die Ernährung verbilligt werden muß. Bezeichnend ist noch, daß nicht nur
Genußmittel wie Tee, Schokolade, Kakao, sondern auch Obst und Südfrüchte dem
Engelschen Gesetze nicht unterliegen; noch bezeichnender, daß mit dem Einkommen
die Ausgabe für Kleidung merklich schneller steigt, als die für Wäsche und Bett
zeug, sowie für Reinigung von Kleidung und Wäsche (reichsdeutsche Erhebung).
Als Beispiel sei eine Tabelle der deutschen Erhebung von 1907 wieder
gegeben, bei der wieder zu beachten ist, daß auf den höheren Einkommensstufen die
Lehrer- und Beamtenfamilien relativ stärker vertreten sind, und zwar dies in den
kleineren Orten, während in den großstädtischen Haushaltungen, die die große
Mehrzahl bilden (701 von 852), das Arbeiterelement überwiegt. Die Abstufung der
Prozentsätze für Nahrungs- und Genußmittel und für „sonstige Ausgaben“ ist be
sonders augenfällig.
Familien mit einer Ausgabe von . . . Mark
1200
1600
2000
2500
3000
4000
über
zusam
Wohlhabenheitsstufen
unter
1900
bis
bis
bis
bis
bis
bis
5000
1600
2000
2500
3000
4000
5000
men
Zahl der Familien
13
171
234
190
103
102
34
5
852
Prozent der Ausgaben für
Nahrungs- und Genußmittel
54,2 1
>54,6
51,0
48,1
42,7
38,1
32,8
30,3
45,5
Wohnung und Haushalt
20,0 '
17,2
18,0
17,6
18,0
18,5
19,3
14,9
18,0
Heizung und Beleuchtung
6,2
4,8
4,5
4,0
3,9
3,6
3,1
3,1
4,1
Kleidung, Wäsche, Reinigung
9,2
9,5
11,5
12,6
14,3
14,0
14,7
14,9
12,6
Sonstiges
10,4
13,9
15,0
17,7
21,1
25,8
30,1
36,8
19,8
Von den „sonstigen Ausgaben“ fielen in % der Gesamtausgaben auf
bei Arbeiterfamilien bei Beamtenfamilien
Gesundheits- und Körperpflege
1,3
3,7
Unterricht
0,6
2,4
Geistige und gesellige Bedürfnisse
4,0
4,5
Staat, Gemeinde, Kirche
LI
2,0
Versicherung
3,0
4,0
Verkehrsmittel
1,4
1,1
Persönliche Bedienung
0,1
1,3
Geldgeschenke usw.
0,4
0,8
Schuldentilgung, Zinsen
0,4
1,6
Erwerbskosten
0,4
0,3
Andre Ausgaben
1,7
2,8
Nicht verteilte Naturalien
0,1
0,1
Ersparnisse
1,0
1,3
Für Zeitungen, Bücher, Vereine gaben im Durchschnitt Arbeiterfamilien 51,47 Mk.,
Beamtenfamilien 66,88 Mk. aus; für Vergnügungen: Arbeiterfamilien 21,23 Mk.,
Beamtenfamilien 76,12 Mk. Beide Posten zusammen decken sich mit den 4—4)4%
Ausgaben „für geistige und gesellige Bedürfnisse“, die in der Tabelle figurieren. Bei
einer Aufnahme, die das Berliner Statistische Amt für 908 Berliner Haushaltungen
(meist aus dem Industriearbeiterstande) mit einem durchschnittlichen Einkommen
von 1751 Mk. (1903) machte, ergab sich für Vergnügungen ein Durchschnittsbetrag
0 Bei Einkommen unter 1000 Mark steigt die Quote der Nahrungsausgaben, soweit die
wenigen Beispiele erkennen lassen, weit über 60% hinaus. Vgl. Eulen bürg, S. 19.