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offen ist. Es ist nicht möglich, zu gleicher Zeit einander
den Markt, die Stellung, die Arbeit im Konkurrenzkampf
zu nehmen und zugleich der inneren Stimme zu gehoörchen,
die uns von der Urzeit her zuflüstert, zu unseren Mit—
menschen zu stehen, da zwei staͤrker sind als einer. Es ist
unmöglich, und jede Lehre, die da sagt, so kann und soll es
sein, führt zur Heuchelei.
In seiner Analyse der Waren, der Kapitalproduktion
hat Marx aufgedeckt, wie der Charakter solcher Menschen,
die unabhängig voneinander ihre Produkte als Waren
produzieren, notwendig werden muß: feindselig und ent—
fremdet, nicht mehr im Verhältnis von Menschen zuein—
ander, sondern wie Dinge, wie Stücke Leinwand, Ballen
Kaffee, Tonnen Erz, Haufen Geld; so hat Marx das wirk—
liche Verhältnis der Menschen zueinander aufgezeigt, das
tatsächliche Verhältnis und nicht jenes, das nur in der
Phantasie der Dichter oder in den Predigten der Priester
besteht.
Zweitens aber hat die Entwicklung der Technik und
die Arbeitsteilung Menschengruppen erzeugt, deren Mit—
glieder, obgleich untereinander oft in Konkurernzkampf be—
griffen, dennoch anderen Gruppen gegenüber diefelben
Interessen haben, mit anderen Worten, die gesellschaftlichen
Klassen. Die Grundbesitzer haben den Industriellen, die
Unternehmer den Arbeitern gegenüber dieselben Inter—
essen, und umgekehrt. Mögen sie sich auf dem Markté auch
gegenseitig Abbruch tun, im Kampfe für die Getreidezölle
haben alle Grundbesitzer, im Kampfe für Schutzzölle auf
Industrieprodukte alle Industriellen, im Kampfe gegen
gute Arbeiterschutzgesetze alle Unternehmer dasselbe
Interesse.
Der Klassenkampf tötet also auch ein gut Teil der
Sittlichkeit, denn das sittliche Gebot kaun nicht einer Klasse
zegenüber gelten, die die unsere zu vernichten oder zu
schwächen versucht, und jene Klasse kann auch der unseren
gegenüber keine Selbstaufopferung und Treue empfinden
Nur innerhalb der Klasse kann auf den Gebielen des
Klassenkampfes noch von irgend einem sittlichen Gebot die
Rede sein; der anderen Klasse gegenüber gilt das höchste
sittliche Gebot ebensowenig wie dem Feinde gegenübet So
wenig man im Kriege daran denkt, sich für den Feind zu
opfern, so wenig fällt es jemand ein, dem Mitglied der
gegnerischen Klasse, als sohch em, beizustehen Gleich—
wie bei einigen Tieren das sittliche Gebot nur den Mi—
zliedern derselben Herde gegenüber gilt, gleichwie es bei