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wirtschaft, derjenige Kapitalist aber, der den größten Teil seiner
Gewinne aufspart, ist ein Vermehrer des Volksvermögens.
Man kann wohl sagen, daß der Kapitalismus vor dem Kriege im
großen und ganzen sehr anständig handelte und keine die gesamte
Volkswirtschaft zu sehr belastende Verschwendung trieb. Die Kapi
talisten waren in der Mehrzahl in gewissem Sinne Führer der gesamten
Volkswirtschaft. Die Verwaltung des Volksvermögens ist freilich in
seinen einzelnen Teilen an die Individuen gebunden, letzten Endes
gehört aber aller persönlicher Besitz der gesamten Volkswirtschaft,
und die Regierung hat nur die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die
Verwalter keinen Mißbrauch mit ihren Rechten treiben. Für einen
gesunden Wirtschaftskörper ist eine gewisse Anzahl Kapitalisten nötig,
und es ist unerheblich, ob diese ein mehr oder weniger großes Kapital
besitzen, vorausgesetzt, daß solches nicht in einer verschwenderischen
Weise benutzt wird und dadurch den Wirtschaftskörper für egoistische
Zwecke einiger weniger Personen belastet. Dagegen kann ein Wirt
schaftskörper es nicht tragen, wenn, wie es jetzt während des Krieges
und der Revolution geschehen ist, eine zu große Anzahl kleiner und
mittlerer Kapitalisten sich bildet, die dann die Volkswirtschaft durch ihre
persönlichen Ansprüche erdrückt. Man braucht sich, um dies zu er
kennen, ja nur den Fall vorzustellen, daß von 100 Personen 50
Kapitalisten wären. Ein undenkbarer Zustand, denn die übrigen 50
Arbeiter können die 50 Kapitalisten nicht ernähren. In solchem
Falle gibt es nur das Heilmittel der sprunghaften Geldentwertung,
wodurch die kleinen Kapitalisten sehr bald gezwungen sind, sich durch
eigene Arbeit an der Volkswirtschaft wieder zu beteiligen, weil bei
den ungeheuren Preissteigerungen ihre Zinseneinnahmen zur Deckung
ihrer Lebensbedürfnisse nicht mehr ausreichen. Anders ist es, wenn
von 100 Personen nur zwei Kapitalisten sind, diese können dann von
den übrigen 98 leicht miternährt werden.
Es steht somit fest, daß der Kapitalismus trotz seiner Schatten
seiten und unverkennbaren Auswüchse für die gesamte Volkswirtschaft
dennoch zweckmäßig und notwendig ist. Das Kapital als solches
muß im Interesse der Volkswirtschaft erhalten bleiben. Es ist daher
grundfalsch, wenn unsere gegenwärtige Steuergesetzgebung versucht,
vor allem das Kapital steuerlich zu belasten, freilich von dem an sich
richtigen Satze ausgehend, daß der Kapitalist als der leistungs
fähigere stärker zur Steuer herangezogen werden muß als der Nicht-