beschränkung durch Zölle nur dadurch aufrecht—
erhalten, daß die Vereinigten Staaten den Ankauf
ihrer Erzeugungsüberschüfsse durch Darlehen an die
Käufer im Ausland finanzieren. Dieses System hat
seine natürlichen Grenzen in sich selbst und in der
Tatsache, daß das amerikanische Kapital im eigenen
Lande mit seinen, wenn auch nicht mehr „unbegrenz—
ten“, Entwicklungsmöglichkeiten noch auf lange hin—
aus lohnende Anlagen findet und der Mangel an
Arbeitskraft dauernd zur Umwandlung von um—
(aufendem Kapital in stehendes Kapital in der Form
oon Produktions- und Verkehrsanlagen Anxeiz
hieten wird.') Trotz aller Fortschritte in der In—
————
mmer im hohen Maße ein agrarisches Land. Das
in der Landwirtschaft der Vereinigten Staaten in—
vestierte Kapital wurde für das Jahr 1921 auf
65 Milliarden Dollars bexechnet gegenüber 44 Mil—
liarden, die in der Industrie investiert sein sollen.
Die landwirtschaftliche Bevölkerung macht beinahe
zin Drittel der Gesamtbevölkerung aus. Sie kauft
etwa ein Sechstel des Wertes der gesamten inländi—
schen Erzeugung. Ihre Kaufkraft istdeshalb ein
eutscheidender Faktor für das Gedeihen von In—
dustrie und Handel. Die Landwirtschaft liefert fast
die Hälfte des gesamten Wertes der Ausfuhr. Daß
— DD——
den der Zeitpunkt des Verschwindens bereits er—
rechnet wird, ändert deshalb nichts an der Bedeu—
tung der Frage des Weizenpreises für die amerika—
nische Volkswirtschaft.
Wie in der Schweiz, Norwegen und Kanada sind
die Forderungen, die jetzt mit dem Ziele einer Sta—
bilisierung der Getreidepreise gestellt werden, nur
zu erklären aus dem Zusammenhang mit den Er—
sahrungen in den Kriegsjahren. Durch die Not der
Kriegszeit gezwungen, hatte die Staatsgewalt in
die Preisbildung für Brotgetreide eingegriffen. Auch
Wirischaftskreise, die sonst den Gedanken einer Regie—
rungspreiskontrolle weit von sich gewiesen hätten,
hatten sich damit befreundet, ja sogar die Regie—
cungspreiskontrolle als eine Zauberformel kennen—
— G
Wetterwolken am Himmel der amerikanischen Volks—
wirtschaft im Sommer 1917 zu zerstreuen.
. Die Getreidepreisstabilisierung in den Vereinigten
Staaten während der Kriegszeit?)
l. Allgemeine Preisbewegungwährend
des Krieges
Die Tatsache, die in den Vereinigten Staaten dazu
zwang, die Preise für Waren des käglichen Bedarfs
durch staatlichen Eingriff zu regulieren, war der
hohe Stand, zu dem die Preise im Spätsommer
1917 emporgeschnellt waren und die Furcht vor
einem weiteren Ansteigen.
Die Preise für Waren des täglichen Bedarfs
zeigen in den 26 Jahren von 1890 bis zum Kriegs—
ébruch eine verhältnismäßig ruhige nach auf—
22 Hirsch, „Das ameritanische Wirtschaftswunder.“
ßerlin 1926 S. 183.
z5) Vol. Garrett, „Government, Control over Prices“.
ßeröffentlichung des War Trade Boarcdt der Vereiniaten
Staaben. Washinaton 1920
värts gerichtete Bewegung. Der verlässigste Maß—
tab für die Preishöhe in dieser Zeitperiode sind die
»on dem Bureau of Labor Statistics für „alle
Waren“ und für wichtige Warengruppen heraus—
gegebenen Indexzahlen: (iehe nächste Seite).
Die Zahlen, die den Jahresdurchschnitt angeben,
»erwischen etwas das Bild, das die Monatsziffern
iefern. Die größte Schwankung der Indexzahl für
„alle Waren“ innerhalb dieser Periode war ein
Absturz von 10 v. H. im Jahre 1894, die größte
arauf folgende Jahresschwankung die Steigerung
im 8'v. H., welche im Jahre 1900 und wiederum
m Jahre 1902 eintrat. Der Durchschnitt aller jähr—
ichen Aufwärtsbewegungen zwischen 1890 und 1914
»etrug weniger als 5 v. H., der größte Teil der Ver—
inderungen war ein Ansteigen. Die Schwankungen
nnerhalb der Gruppen landwirtschaftlicher Erzeug—
risse, Brennstoffe und Beleuchtungsmittel, Metalle
ind Metallerzeugnisse waren etwas heftiger als
»ie bei der zusammenfassenden Zahl für „alle
Waren“
Der Ausbruch des europäischen Krieges stellt den
Beginn einer neuen Periode in der Geschichte der
Weltpreise dar. Die Art, wie die Preise auf den
erschiedenen Warengebieten in den Vereinigten
ztaaten auf die Störung der normalen Preis—
nntwicklung reagierten, weist bemerkenswerte Unter—
chiede auf. Auf einzelnen Marktgebieten übertrug
ich die Störung auf den amerikanischen Markt be—
ceits im August 1914, im ganzen aber zeigten die
Preise auch in den Vereinigten Staaten zunächst
zas auch in anderen Ländern erkennbare Be—
jarrungsvermögen und hielten sich noch ein volles
Jahr nach Kriegsausbruch ziemlich nahe dem Vor—
riegsstand. Tatsächlich weist keine Periode von drei
iufeinanderfolgenden Jahren seit 1890 so geringe
-chwankungen der Inderzahl für „alle Waren“ auf,
vie die drei Jahre 1918, 1914, 1915. Die Waren—
dreise in den einzelnen Warengruppen zeigen sich
illerdings bereits beweglicher. Da die Bewegungen
iber in“entgegengesetzter Richtung gingen, gleichen
ie sich im Gesamtindex gegenseitig aus. Die Preise
ür chemische Erzeugnisse begannen bereits einen
Monat nach Kriegsausbruch sich aufwärts zu be—
vegen, hatten sich nach 123 Jahren verdoppelt und
»rlitten dann einen Rückschlag. Die Preise für
Metalle begannen sechs Monate nach Kriegsausbruch
zu steigen. Die stürmische Auswärtsbewegung setzte
illerdings erst Ende 1915 ein und erreichte im
Zommer 1917 Höhen, wie sie noch nie dagewesen
varen. Auf der anderen Seite setzten die Preise
ür Brennmaterialien und Beleuchtungsmittel, die
»ereits Ende 1913 und Anfang 1914 eine leichte
Bewegung nach abwärts durchgemacht hatten, die
allende Bewegung in stärkerer Betonung noch ein
jolles Jahr nach Kriegsbeginn fort, ebenso Gummi,
ßapier und Pflanzenfaserstoffe. Die Preise für
ahrungsmittel, Bekleidung und Baumaäterialien
ind die Indexziffer für „alle Waren“ blieben für
»en Anreiz, den der Krieg darstellte, bis zum Herbst
1915 hartnäckig unempfindlich. Unterdessen hatten
ie Regierungen von England, Frankreich und Ruß—
and ungeheure Aufträge für Kriegsmaterial in den
Zereinigten Staaten untergebracht, und damit kamen