Object: Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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natürlichen Zustand darstelle, hervorgerufen durch Gips, welcher vielfach die 
Steinsalzlagerstätten als geologischen Bestandteil begleitet. Die Gipsbeimischung 
im Steinsalz belief sich damals auf 1 %, hatte also für die Gesundheit Schäd 
liches nicht an sich. 
Anschließend hieran sei auch eines Vorganges gedacht, der kulturgeschichtlich 
nicht ohne Interesse ist 1 2 ). Im Jahre 1849 hatte die Regierung den Preis des 
Steinsalzes für Jndustriezwecke auf 18 kr. für den Zentner herabgefetzt, welcher 
Preis sich ab Bergwerk Wilhelmsglück verstand. Diese Maßnahme war haupt 
sächlich zur Hebung und Förderung einzelner Gewerbe, wie Seifensieder, Rot 
gerber usw. getroffen worden. Nun hatte diese Preisherabsetzung eine eigen 
tümliche Wirkung. Es kam nämlich, besonders im Oberamt Herrenberg, zur 
Entwicklung einer interessanten Salzindustrie, die sich auf folgender Grundlage 
vollzog. Zahlreiche Leute kauften das für den menschlichen Genuß durch Bei 
mischung von Sand und Asche unbrauchbar gemachte Steinsalz mit der Angabe, 
es industriell verwenden zu wollen. Zu Hause wurde dann durch primitive 
Destillationsverfahren Sand und Asche niedergeschlagen, worauf man die so ge 
wonnene Sole wieder zu Kochsalz im Siedeverfahren verarbeitete. Da man 
dieses Steinsalz zu dem sehr billigen Preise von 18 kr. bezogen hatte, ergab 
sich für diese Salzsieder ein recht ansehnlicher Gewinn. Diese Art Salzfabrikation 
nahm zuletzt solche Ausdehnung an, daß die Regierung nahe daran war, den 
billigen Steinsalzpreis für Gewerbezwecke ganz aufzuheben. Man begrenzte 
zuletzt die Abgabe von Gewerbesalz auf eine bestimmte Menge. Die württem- 
bergische Kammer wurde immer wieder bei der Regierung um Herabsetzung des 
Salzpreises vorstellig. Gleiche Vorgänge spielten sich auch in den 1850er Jahren 
in der preußischen Kammer ab, wo es vornehmlich der bekannte rheinische Eisen 
industrielle Harkort war, der eine Herabsetzung der Salzpreise forderte. 
Man berief sich vielfach auf England, das um die Mitte des 19. Jahr 
hunderts keine Salzsteuer besaß. In Frankreich hob man im Jahre 1848 die 
Salzsteuer keineswegs ganz auf, sondern setzte sie auf 10 cts. per Kilogramm 
fest. Die Sälzpreise waren um diese Zeit in England erheblich niedriger als 
in Württembergs). So hatte der Abg. Moriz Mohl auf einer Reise durch Eng 
land festgestellt, daß z. B. in Manchester bei den Bäckern das Pfund Salz im 
Einzelverkauf nur 3 U kr. kostete; im Engrosverkauf gar nur V 3 kr. per Pfund. 
Die englischen Bäcker betrieben um jene Zeit überwiegend den Salzverkauf. 
Im Jahre 1855 stellte sich der Kochsalzpreis in Württemberg im Einzelverkauf 
auf 3 kr. pro Pfund und Steinsalz auf 1V2 fr. 3 ). 
Um das Jahr 1855 wurde den württembergischen Fabriken, insbesondere 
den chemischen, das Steinsalz zu 18 kr. per Zentner abgegeben. Da jedoch die 
heimische Steinsalzproduktion den Inlandsbedarf überstieg, so mußte man die 
Mehrproduktion im Auslande abzusetzen suchen. Da man hier jedoch mit 
Konkurrenz zu rechnen hatte, entschloß man sich, vereinzelt an das Ausland 
billiger als im Inland zu verkaufen. So wurden um das Jahr 1855 wieder 
holt 20—40000 Zentner Steinsalz nach der Gegend von Aachen und Duisburg 
zum Preise von 15 kr. per Zentner verkauft. Näher im Ausland gelegene 
1) Verhandlungen d. württ. Kammer der Abg. Jahr 1851. II. Band. S. 1101. 
2) G. von Schönberg, Handbuch d. Pol. Oekonomie. Finanzwiss. Tübingen 1897. 
S. 600. 
3) Verhandlungen d. württ. Kammer der Abg. Jahr 1855. II. Band. S. 1304.
	        
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