Object: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Erster Abschnitt. 
dieser historisch bestimmten gesellschaftlichen Produktionsweise, 
der Warenproduktion. Aller Mystizismus der Warenwelt, all der 
Zauber und Spuk, welcher Arbeitsprodukte auf Grundlage der 
Warenproduktion umnebelt, verschwindet daher sofort, sobald wir 
zu andern Produktionsformen flüchten. 
Da die politische Oekonomie Robinsonaden liebt, erscheine 
zuerst Robinson auf seiner Insel. Bescheiden, wie er von Haus 
aus ist, hat er doch verschiedenartige Bedürfnisse zu befriedigen 
und muß daher nützliche Arbeiten verschiedener Art verrichten, 
Werkzeuge machen, Möbel fabrizieren, Lama zähmen, fischen, 
jagen usw. Vom Beten und dergleichen sprechen wir hier nicht, da 
unser Robinson daran sein Vergnügen findet und derartige Tätig- 
keit als Erholung betrachtet. Trotz der Verschiedenheit seiner 
produktiven Funktionen weiß er, daß sie nur verschiedene Betäti- 
gungsformen desselben Robinson, also nur verschiedene Weisen 
menschlicher Arbeit sind. Die Not selbst zwingt ihn, seine Zeit 
genau zwischen seinen verschiedenen Funktionen zu verteilen. Ob 
die eine mehr, die andere weniger Raum in seiner Gesamttätigkeit 
einnimmt, hängt ab von der größeren oder geringeren Schwierig- 
keit, die zur Erzielung des bezweckten Nutzeffekts zu überwinden 
ist. Die Erfahrung lehrt ihn das, und unser Robinson, der Uhr, 
Hauptbuch, Tinte und Feder aus dem Schiffbruch gerettet, beginnt 
als guter Engländer bald Buch über sich selbst zu führen. Sein 
Inventarium enthält ein Verzeichnis der Gebrauchsgegenstände, die 
8r besitzt, der verschiedenen Verrichtungen, die zu ihrer Produktion 
grheischt sind, endlich der Arbeitszeit, die ihm bestimmte Quanta 
dieser verschiedenen Produkte im Durchschnitt kosten. Alle Be- 
ziehungen zwischen Robinson und den Dingen, die seinen selbst- 
geschaffenen Reichtum bilden, sind hier so einfach und durch- 
sichtig, daß selbst Herr M. Wirth sie ohne besondere Geistes- 
anstrengung verstehen dürfte. Und dennoch sind darin alle wesent- 
lichen Bestimmungen des Wertes enthalten. 
Versetzen wir uns nun von Robinsons lichter Insel in das finstere 
auropäische Mittelalter. Statt des unabhängigen Mannes finden wir 
hier jedermann abhängig — Leibeigene und Grundherren, Vasallen 
und Lehnsgeber, Laien und Pfaffen. Persönliche Abhängigkeit 
charakterisiert ebensosehr die gesellschaftlichen Verhältnisse der 
materiellen Produktion als die auf ihr aufgebauten Lebenssphären 
2 Note zur 2. Ausgabe. Auch Ricardo ist nicht ohne seine Robinsonade. 
„Den Urfischer und den Urjäger 1äßt er sofort als Warenbesitzer Fisch und 
Wild austauschen, im Verhältnis der in diesen Tauschwerten vergegen- 
ständlichten Arbeitszeit. Bei dieser Gelegenheit fällt er in den Anachronis- 
mus, daß Urfischer und Urjäger zur Berechnung ihrer Arbeitsinstrumente 
die 1817 auf der Londoner Börse gangbaren Annuitätentabellen zu Rate 
ziehen, Die „Parallelogramme des Herrn Owen“ scheinen die einzige Ge- 
sellschaftsform, die er außer der bürgerlichen kannte.“ (Karl Marz: „Zur 
Kritik der Politischen Oekonomie“, S, 38, 39,) [Stuttgarter Ausgabe S. 43.]
	        
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