m
Teigwaren
446
Terpentin
zahlreicher anderer Anilinfarbstoffe, so des Ani
linblaus durch Girard und de Laire, des Methyl
grüns und des Methylvioletts folgten. Jedes Jahr
brachte neue Farbstoffe und Farbstoffgruppen
(1869 die Azofarbstoffe durch, Peter Grieß, Aliza-
rin und andere Anthrazenfarbstoffe durch Grabe
und Liebermann), bis im Jahre 1880 mit der
künstlichen Darstellung des Indigos durch
A.v. Baeyer ein Höhepunkt der chemischen Syn
these erreicht wurde. Auf der Grundlage dieser
streng wissenschaftlichen Forschung entwickelte
sich eine blühende Industrie, in der zurzeit
Deutschland die unbestrittene Führung über
nommen hat. Der Wert der Erzeugung stieg von
24 Millionen Mark im Jahre 1874 auf 65 Mil
lionen Mark im Jahre 1890, und im Jahre 1908
erreichte allein die Ausfuhr die Höhe von 63000
Tonnen im Werte von mehr als 120 Millionen
Mark. — Die Teerfarbstoffe finden ausgedehnte
Anwendung in der Färberei, Zeugdruckerei, Bunt
papier- und Tapetenfabrikation, zum Färben von
Holz, Metall, Leder sowie zur Herstellung von
Kinderspielzeug und Tinten. Für viele Zwecke
haben sie wegen ihrer glänzenden, in jeder ge
wünschten Abstufung herstellbaren Töne die
natürlichen Farbstoffe völlig verdrängt, und im
Gegensätze zu der früher weit verbreiteten An
sicht gibt es jetzt zahlreiche T,, die nicht nur
(für Woll- und Seidenfärberei) völlig waschecht
sind, sondern auch große Lichtbeständigkeit
zeigen. Selbst die für Tapeten beliebten Mode
farben lassen sich durchaus lichtecht erzielen.
— Die T. des Handels enthalten oft Zusätze
nicht färbender Stoffe, die zum Teil erlaubten
Zwecken dienen, wie der Erzielung eines be
stimmten Farbtones oder der Erleichterung ihres
Gebrauchs. Es sind aber auch direkte Verfäl
schungen oder Beschwerungen beobachtet wor
den. Die Erkennung derartiger Fremdstoffe,
soweit sie anorganisch sind, wie Kochsalz, Glau
bersalz, Schwerspat, erfolgt mit Hilfe der Aschen
bestimmung. Stärke und Zucker können mikro
skopisch erkannt werden. Der Nachweis von
Dextrin gelangt meist durch Behandlung mit
Alkohol. 1
Teigwaren. Unter diesem Namen faßt man
eine ganze Reihe von Erzeugnissen, wie Nu
deln, Makkaroni (Vermicelli), Gräupchen
und Suppeneinlagen, zusammen, die ursprüng
lich in Italien (Makkaroni) hergestellt wurden,
seit längerer Zeit aber auch in Deutschland von
zahlreichen Fabriken in großen Mengen, ungefähr
500000 dz, in den Verkehr gebracht werden.
Das sehr einfache Verfahren besteht im Grunde
darin, daß man einen mit Hilfe von Weizenmehl
oder -grieß (Hartweizen) und Wasser oder Eiern
hergestellten Teig entweder dünn auswalzt und
in Streifen schneidet oder durch besondere Ma
schinen in Faden- oder eine andere Form preßt
und dann bei erhöhter Temperatur trocknet.
Nach der Form unterscheidet man hauptsächlich
Band-, Faden-, Röhren- oder Schnittnudeln, Perl-
gräupchen, Sternchen, Hörnchen und Tierformen..
Wichtiger ist die Unterscheidung nach der Art
der benutzten Zutaten in Wasserteigwaren
und Eierteigwaren, von denen die ersteren
aus einem Teig von Mehl und Wasser, die
letzteren aus einem Gemisch von Mehl und
Eiern hergestellt werden. Zwischen den, beiden
Endgliedern dieser Reihe finden sich zahlreiche
Übergangsstufen aus Mehl, Wasser und geringen
Eierzusätzen, auch wird an Stelle des ganzen Ei
inhalts, vielfach getrocknetes oder auf andere
Weise konserviertes Eigelb verwandt. Im Hin
blick auf den Umstand, daß viele sog. Eierteig
waren des Handels nur verschwindend geringen
oder gar keinen Eigehalt aufwiesen, durch künst
liche Auffärbung mit gelben Teerfarben aber den
Anschein einer gehaltreichen Ware besaßen, er
schien es zweckmäßig, den Begriff der normalen
Beschaffenheit, insbesondere einen Mindestgehalt
von Eiern, festzulegen. Die Ansichten über die
erforderliche Menge gehen zurzeit noch ausein
ander. Während die Fabrikanten ursprünglich
einen Mindestgehalt von 75 Eiern für den Zent
ner Mehl als erforderlich, später aber auch 50
und 30 Eier als ausreichend bezeichneten, ja
schließlich sogar jede Begrenzung ablehnten, ver
treten die Nahrungsmittelchemiker die Ansicht,
daß Eiernudeln mindestens 400 Eier auf 100 kg
Mehl enthalten müssen. Die sächsischen Nah
rungsmittelchemiker haben sich für die Fest
setzung von 200 Eiern für 100 kg Mehl aus
gesprochen. Die weitere Forderung, daß eine
künstliche Färbung zu kennzeichnen- sei, wird
auch von den Fabrikanten anerkannt. Die Fest
stellung des Eigehaltes in Nudeln stützt sich auf
die Ermittlung der dem Eigelb eigentümlichen
Bestandteile: Lutein (Eifarbstoff), Cholesterin,
Lezithin und Fett, sie bietet aber gewisse Schwie
rigkeiten, weil mit längerer Aufbewahrung eine
Veränderung der' Eisubstanz verbunden ist. Ab
gesehen von dem Eigehalte stellt man an die
T„ die ein wertvolles Nahrungsmittel für den
Massenverbrauch darstellen, die Forderung, daß
sie keine anderen Mehle als Weizenmehl ent
halten, beim Kochen nicht zerfallen und keine
trübe oder sauer reagierende Brühe liefern.
Tellur, ein dem Schwefel und Selen nahe
verwandtes Element vom Atomgewicht 127, fin
det sich in der Natur nur selten, und zwar ent
weder gediegen oder in Verbindung mit Gold
und Silber im Schrifterz oder mit Blei und
Silber im Tellurblei. Die wichtigsten Fund
orte sind in Siebenbürgen, im Altai und auf der
liparischen Insel Vulkano. Praktische Verwen
dung findet nur das tellursaure Kalium (Ka-
liumteliurat, lat. Kalium telluricum) ein in
wasserlöslichen Nadeln kristallisierendes Salz, das
zur Verhinderung des Nachtschweißes von Phthi
sikern medizinisch benutzt wird. Bei längerem
Gebrauche des Mittels, das keinerlei unangenehme
Nebenwirkungen zeigt, nimmt der Atem einen
knoblauchartigen Geruch an.
Tereben, eine gelbliche, bei 160 0 siedende,
ölige Flüssigkeit, die an Stelle des Terpentinöls
medizinische Anwendung findet, wird durch
wiederholte Destillation von Terpentinöl oder
anderen Terpenen mit etwas konzentrierter
Schwefelsäure dargestellt. Es ist nicht, wie früher
angenommen wurde, eine einheitliche Verbin
dung, sondern ein Gemisch mehrerer Kohlen
wasserstoffe.
Terpentin (lat. iWebinthina, frz. Terdben-
thine, engl. Turpentine) nennt man die frisc,hen,
durch Lufteinwirkung noch nicht veränderten
Harzausflüsse verschiedener Koniferen, die als
Gemische von Harz und ätherischen ölen zu