Der Wert der komplementären Güter (Zurechnungstheorie)
4. DER WERT DER KOMPLEMENTAEREN GUETER
(DIE ZURECHNUNGSTHEORIE)
Eine der verworrendsten Fragen, die von der österreichischen
Schule bearbeitet wird, .ist die vom Werte der sogenannten ‚„„kom-
plementären‘‘ Güter (Menger) oder die „Zurechnungstheorie‘® —
ein Terminus, den Wieser einführt.
Böhm-Bawerk versteht unter komplementären Gütern die-
jenigen Güter, die sich gegenseitig vervollständigen: In diesem
Falle wird „zur Erreichung eines wirtschaftlichen Nutzens das
Zusammenwirken mehrerer Güter in der Art gefordert..., daß,
wenn eines aus ihrer Reihe fehlt, der Nutzen gar nicht oder doch
nur unvollkommen erreicht werden kann“*.‘“ Als Beispiel für
solche Güter führt Böhm-Bawerk Papier, Feder und Tinte, Nadel
und Faden, zwei zu einem Paare gehörende Handschuhe usw. an.
Es ist klar, daß solche Gruppen von Komplementärgütern beson-
ders oft bei den Produktionsgütern zu finden sind, bei denen die
Produktionsbedingungen das Zusammenwirken einer ganzen
Reihe von Faktoren erfordern, wobei der Ausfall auch nur eines
dieser Faktoren sehr oft das gesamte Zusammenwirken zerstört
und die Wirksamkeit der anderen zunichte macht. Indem Böhm
den Wert der Komplementärgüter analysiert, gelangt er zu einer
Reihe von besonderen ‚‚Gesetzen‘‘, die sich „sämtlich innerhalb
des Rahmens des allgemeinen Gesetzes vom Grenznutzen be-
wegen“. Als Ausgangspunkt für die Analyse wählt Böhm den
Gesamtwert der ganzen Gruppe und stellt dabei folgenden
Satz auf: „Der Gesamtwert der vollständigen Gruppe richtet sich
in der Regel nach der Größe des Grenznutzens, den sie in ihrer
Vereinigung zu stiften imstande ist*.‘“ Wenn drei Güter, A, B, C
bei dem gemeinsamen Gebrauch den in wirtschaftlicher Hinsicht
geringsten Nutzen von 100 Werteinheiten bringen können, so
wird der gesamte Wert der Gruppe gleich 100 sein. So einfach
ist die Sache nach Böhm nur „im allgemeinen Normalfall‘. Von
diesem „Normalfall“ sind die Spezialfälle zu unterscheiden; da
tritt das Substitutionsgesetz in Kraft, von dem bereits oben die
Rede war (siehe die Analyse der Lehre vom Substitutionsnutzen).
wert tut, und natürlich mit demselben Erfolg. Darüber siehe Hilferding 1. c.
S:: 1025! u. 1026:
4 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 56.
“ Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 56.
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