Object: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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wird. Guter Boden pflegt erfahrungsgemäss den Mehraufwand besser 
bezahlt zu machen, als leichter Boden. Ausserdem kann auch der 
Uebergang zu einem intensiveren Betriebe bei gleichen Preisen ete, 
Yorgenommen werden auf Grund von Fortschritten in der Wissen- 
schaft, Vervollkommnung in der Technik, verbesserter Organisation 
der Arbeit, wofür das letzte Jahrhundert schlagende Beweise geliefert 
hat. Man braucht nur an die verbesserte Düngung zu denken, be- 
sonders durch künstliche Düngmittel, infolge der Erkenntnis, worin die 
Dungkraft der einzelnen Materialien besteht, und auf der Feststellung 
durch die chemische Analyse, in welchen Gegenständen die Pflanzen- 
nährstoffe enthalten sind; dann an die verbesserte Ernährung der 
Tiere infolge der physiologischen Feststellung, was das Tier zur Fett- 
ablagerung, Milchsekretion ete. gebraucht, wieviel Protein- und Stärke- 
substanzen in den einzelnen Futtermitteln enthalten sind ; an die ratio- 
nelleren Fruchtfolgen auf Grund der Erforschung der Wachstumsbe- 
dingungen der Pflanzen, ihrer Aschenbestandteile und Ansprüche an 
den Boden. Dadurch ist es möglich geworden, dass in den ersten 
Dreivierteln des letzten Jahrhunderts die Reinerträge der Landwirtschaft 
weit stärker gestiegen sind, als.die Preise der landwirtschaftlichen 
Produkte, und auch in dem letzten Viertel das Niveau des Rein- 
zewinnes nicht in dem gleichen Masse gedrückt ist, wie das Preis- 
niveau, verschärft durch das Steigen der Löhne. So ist im allgemeinen 
lie Ricardo’sche Lehre, dass die mehr aufgewendeten Kosten einen 
immer grösseren Prozentsatz des Reinertrages absorbieren, auch in der 
Praxis zu beobachten. 
8 7. 
Die Thünen’sche Lehre. 
| Aus dem oben Gesagten geht hervor, dass jeder Grad der In- 
tensität des Betriebes und damit jedes Wirtschaftssystem nur unter 
bestimmten natürlichen und volkswirtschaftlichen Verhältnissen den 
höchsten Reinertrag abwerfen wird, wenn dabei natürlich auch ein ge- 
wisser Spielraum bleibt. Es ist das grosse Verdienst des mecklen- 
burgischen Gutsbesitzers Heinrich von Thünen auf Tellow diesen 
Satz zuerst aufgestellt und wissenschaftlich begründet zu haben. Es 
geschah dieses in seinem Werke „Der isolierte Staat in Beziehung zu 
Landwirtschaft und Nationalökonomie“, Rostock 1826, zweite Auflage 
1842. Er suchte in einer Abstraktion die Wirkung einer Preisver- 
änderung der Produkte auf das Wirtschaftssystem klar zu legen, indem 
er alle übrigen Faktoren, welche das wirtschaftliche Leben beein- 
Aussen, unverändert lässt, bis auf die Entfernung des Grundstückes 
vom Markte. Er nahm eine völlige Ebene mit gleichem Boden, ohne 
einen schiffbaren Strom, ohne Eisenbahnen und sonstige Kunststrassen 
als Untersuchungsobjekt an, in ihrer Mitte einen einzigen Marktort, 
der allein die Ueberschüsse der Landwirtschaft aufnimmt, während das 
Land durch eine Wüste von dem Verkehr mit anderen "Territorien 
abgeschlossen ist. Unter solchen Verhältnissen werden nun, wie er 
Aeigt, in dem ganzen Lande die Preise der landwirtschaftlichen Pro- 
dukte gleich denen in der Stadt sein, nach Abzug der Transportkosten 
vom Produktionsorte nach der Stadt. Je grösser die Entfernung vom 
Chünens iso- 
jerter Staat.
	        
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