Full text: Modern monetary systems

Zweiundzwanzigstes Buch. 
sind, und obwohl der benachbarte holsteinische Adel, damals 
wohl der kapitalreichste in Deutschland, die Rantzau, Brock⸗ 
dorff, Ahlefeld, im 16. Jahrhundert schon in Verkehr mit 
den Antwerpener Geldmärkten standen. Überhaupt aber war 
es eine Eigenheit Hamburgs, daß es lange kapitalarm blieb: 
daher viele Bankerotte, häufiges Hinschwinden einzelner kauf⸗ 
männischer Familien, starke Schwankungen in jeder Krisis. 
Wurde indeffen dies alles verhältnismäßig leicht ertragen und 
sthrte es den endlichen Aufschwung damals nicht, so kam dafür 
vor allem das schwerflüssige, zähe, langsam bedenkende Element 
des niedersächsischen Charakters in Betracht, wie es in geradem 
Gegensatz stand zu dem beweglichen, unruhigen, raschhandelnden 
Vlaͤmentum des schnell aufblühenden Antwerpens. Übrigens 
vurde Hamburg im Jahre 1619 auch Sitz einer von Holländern 
aach Amsterdamer Mufter gegrundeten Girobank und seitdem 
auch als Geldhandelsplatz bedeutend. 
Der Hauptsache nach aber knüpfte der Aufschwung der 
Stadt an den Warenhandel und die Reederei an; und auf 
diesem Gebiete brachte schon die zweite Hälfte des 16. Jahr— 
hunderts entscheidende Ereignisse. Es waren im wesentlichen 
zwei. Einmal trat Hamburg nach dem Falle Antwerpens zu⸗ 
ammen mit Amsterdam die Nordseeerbschaft dieses gewaltigen 
Platzes an; von nun ab wuchs die Einfuhr in Kolonialwaren 
und englischen, italienischen und süddeutschen Manufakten. 
Noch wesentlicher aber war es und für Hamburg speziell, 
wenn auch nicht für Deutschland im ganzen, von günstiger 
Bedeutung, daß sich die Handelskompagnie der Merchant 
adventurers gegen Ende des 16. Jahrhunderts und in den 
zwei ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts im Hamburg 
festsetzten: seitdem wurde die Stadt, die noch im Jahre 1564 
keinen direkten Wechselverkehr mit England gehabt hatte, zur 
größten kontinentalen Faktorei des englischen Handels. Gewiß 
var dies Einbrechen der Engländer für die Hamburger Bürger 
am sich noch kein Vorteil, da die Faktorei nicht bloß im Ver⸗ 
S. oben S. 98, 101 ff.
	        
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