haben, unter den drei grundschlechten Ver:
trägen mit Österreich, der Schweiz und
Spanien. Aber, meine sehr geehrten Herren,
die Konsequenz dieser Beschlußfassung war
es unmittelbar, daß die Aaussichtsreichen
Verhandlungen, die zwischen den Parteien
geführt worden waren, um durch ein Not:
zesetz, durch ein Ermächtigungsgesetz nun
endlich die Unterlagen für die Handels:
vertragsverhandlungen durch die gesetzliche
Fixierung der kleinen Zolltarifrevision zu
schaffen, vorläufig zunächst abgebrochen
worden sind.
Wenn wir uns an das Schicksal der preu-
Bischen Ministerpräsidentenwahl erinnern
und wissen, wie alles ja notwendiger heute in
Deutschland ist als ein geordnetes Funk:
tionieren der Gesetzgebungsmaschine, wenn
wir uns vor Augen halten, daß in ganz naher
Zeit unsere Parlamente in die Ferien gehen, so
kann es passieren, daß die kleine Zolltarif:
revision, die im Oktober fertiggestellt worden
war, vielleicht im Oktober nächsten Jahres
einmal den gesetzgebenden Körperschaften
zugeleitet wird, d.h. in einem Augenblick, in
dem der neue große Zolltarif schon fertig:
zestellt ist. Ich höre, daß ja im Parlament
3estrebungen vorhanden sind, um mit einer
Handbewegung die kleine Zolltarifrevision
aıbzutun. Da frage ich Sie eins: glauben Sie,
meine Herren, daß ein Zolltarif; bestehend
aus 1300 Hauptpositionen — denn soviel wird
der neue Zolltarif haben — mit unzähligen
Unterpositionen, ein Zolltarif; der aufgebaut
ist auf einem völlig neuen‘ der Entwickelung
der” Technik, der Wirtschäff entsprechenden
Schema — "daß "ein derartiger Zolltarif in
einem Reichstag, bestehend aus 360 ich will
vorsichtig sein und sagen: Persönen — sonst
sagt man ja Köpfen (Heiterkeit) — daß ein
Reichstag in diesem Umfänge einen Zolltarif,
ın dem jahrelang die Ministerien und viel
eicht ein Jahr lang ein Ausschuß, unterstützt
von vielleicht 1000 Sachverständigen, gear:
beitet hat, in kurzer Zeit verabschieden kann,
wenn vor den Türen der Beratungszimmer,
wie es ja bestimmt. der Fall sein wird, Ko-
(onnen. yon Interessenten die einzelnen Abges
prdneten bestürmen, in. letzter. Stunde. die
sorgsam abgewogenen Sätze wieder. Zu ver:
ändern? Nein, meine Herren, wenn es so geht,
wie es immer geht, dann werden wir freilich
erst in 2 Jahren einen Zolltarif haben, Und
darum ist es notwendig und darum bitte ich
hier erneut, daß Sie auf die alle ihnen nahe:
stehenden Abgeordneten einwirken, daß der
Regierung mindestens für einige Monate die
Ermächtigung gegeben wird, die kleine Zoll:
tarifrevision; die Unterlage für unsere Han:
Jlelsvertragsverhandlungen, den Schutzwall
sei der notwendigen Aufhebung der Einfuhr-
verbote, in Kraft zu setzen, daß der Regierung
lie Ermächtigung gegeben wird, diejenigen
Zollpositionen, die der Änderung bedürfen,
zu ändern.
Aber schon wieder greift hier die Politik
sin, denn dieses Ermächtigungsgesetz isteben-
;o wie die kleine Zolltarifrevision selbst durch
lie Weisheit unserer Staatskunst durch ein
Pangeisen mit den Getreidezöllen verbunden.
Jnd, meine sehr geehrten Herren, die De-
Jatte über den spanischen. Handelsvertrag
»rachte. die Begründung, daß durch die.Ein-
‘uhr der spanischen. . Verschnittweine...mit
ıedrigem Zoll 1400000 Weinbauer in Deutsch:
and dem Untergange geweiht und zur Aus-
yanderung gezwungen sind (Heiterkeit). —
Zernen Sie, meine Herren, davon nicht etwa,
vie man übertreibt, aber wie man mit Über:
'reibungen seine Interessen vertreten kann.
Glauben Sie, meine Herren, daß dieselben
?arteien — denn die 17 Vertreter, die
zjegen den Handelsvertrag gestimmt haben,
jehören ja keineswegs nur der deutsch:
ıationalen Fraktion an, sondern sie rekru-
jeren sich aus dem Zentrum, den Demo-
<raten — die Sozialdemokraten in Höhe
von 6 Mann haben sich der Abstimmung
»nthalten, die Kommunisten haben natürlich
dagegen gestimmt. Wir haben es erlebt, daß
zu dieser Abstimmung die Parteien ihre Wein:
auer und ihre Weinbauinteressenten in den
Ausschuß delegiert haben. Denken Sie sich
bei derartigen parlamentarischen Verhält:
ıissen, bei dem Fehlen der großen Linie den
Kampf um einen großen und endgültigen Zoll:
tarif im Reichstage!
Angesichts dieser Gefahr müssen wir
nindestens für den Augenblick, in dem gemäß
lem englischen Handelsvertrag, an dessenRa-
tifizierung ja wohl nun kein Zweifel mehr ist,
lie Einfuhrverbote aufgehoben werden
nüssen, den Schutzwall gegen die Überflutung
ler deutschen Absatzgebiete durch auslän-
lische Waren schaffen. Und dazu noch eine
kurze Bemerkung.
Es wird so viel in den letzten Tagen be-
;onders stark von dem Hereinströmen von
ıusländischer Fertigware gesprochen, und
nan ist schnell fertig damit, zu sagen, daß wir
liese und jene Luxusware nicht brauchen.
Meine Herren, wir haben ja heute in dem be:
stehenden Zolltarif, der, wieIhnen erinnerlich
jein wird, in den letzten Jahren mehrfach der
Geldentwertung entsprechend erhöht und