ders Gendarmerieabteilungen vorerst bloß Feldpolizei-
dienste zu verrichten hatten, und wo sodann die Gen-
darmerie erst nach vollständiger Pazifizierung der
einzelnen Landesteile den Sicherheitsdienst aufnahm.
Mit 30. November 1921 war so im ganzen Burgenlande
der Sicherheitsdienst von der Gendarmerie übernommen.
Diese ersten Jahre der Unruhe nach Gründung der
Republik forderten bei der Gendarmerie 61 Todesopfer.
Die Gendarmerie hat sich aber in allen diesen Tagen
wieder als fester Hort der Ruhe und Sicherheit gezeigt
und ihrer bereits mehr als 70 jährigen Geschichte neue
Lorbeeren eingefügt. Kine Wendung zum Besseren und
“ur Veberleitung in normale Sicherheitsverhältnisse
brachte erst die Ende 1922 von Bundeskanzler Dr. Seipel
Angehahnte Sanierung.
Organisation und innerer Dienstbetrich.
Durch das Gesetz vom 27. November 1918 wurde das
Gendarmeriegesetz vom 25. Dezember 1804 teilweise den
Scänderten Verhältnissen entsprechend modifiziert. Aus
»Cinem militärisch organisierten, zur Aufrechterhaltung
der Öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit hbe-
stimmten einheitlichen Wachkörper” wurde „ein uni-
(ormierter, bewaffneter, nach militärischem Muster
Organisierter Zivilwachkörper zur Aufrechterhaltung
der Öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit”. Die
Folge davon war auch die Unterstellung der Gendarmerie-
beamten unter die Zivilgerichtsbarkeit. Die disziplinäre
X Srantwortlichkeit wurde bald durch ein neues Gesetz
‚Gesetz vom 6. Februar 1910) unter Anlehnung an die
für die übrige Beamtenschaft maßgebende Dienstprag-
‚natik grundlegend geändert. Die früher ausschließlich
'n den Händen der Vorgesetzten gelegene Disziplinar-
Sewalt ging größtenteils auf Disziplinarkommissionen
über, Als weitere Folge der Umwandlung der Gendar-
Merie in ein Zivilwachkorps ergab sich ihre vollständige
J Nterstellung unter das Ressort des Innern.
Die Gliederung der einzelnen Landesgendarmerie-
“OMimandos wurde bis zum Beginn des Jahres 1928 nicht
Scändert. Kırst mit Beginn dieses Jahres wurden die
\bteilungskommandos aufgelassen und an deren Stelle
»Gendarmerieinspizierende” geschaffen. Bei jedem Landes-
S*Ndarmeriekommando verblieb nur ein Ergänzungs-
bteilungskommando für Zwecke der Krgänzung und
"Chülumo, Der Stand der Gendarmerie erfuhr in den
Gendarmerie-Motorfahrer. Patrouille im Gelände
Gendarmerie-Skikurs auf der Rax
»rsten Jahren der Republik allmählich eine Erhöhung
auf mehr als 12.000 Beamte. Vom Jahre 1922 an setzte
in Abbau dieses Standes ein, so daß heute die Gen-
larmerie nur mehr 5802 Beamte zählt, daher nicht ganz
0% ihres Höchststandes. Allerdings ist dabei zu be-
ücksichtigen, daß im Jahre 1925 die Bahngendarmerie
n Wien aus der Gendarmerie ausgeschieden und mit
;68 Mann in das Gefüge der Polizeidirektion Wien
iberführt worden ist. Diese 5802 Beamten verteilen sich
ıuf acht Landesgendarmeriekonmandos mit je einem
rgänzungsabhbteilungskommando, 85 Bezirksgendarmerie-
ommandos, 1333 Posten, 3 Fxposituren und 5 Polizei-
ıundestationen.
Der Schulung der Gendarmeriebeamten wurde in
ler Folge eine immer größere ÖObsorge zugewendet.
Vährend früher nur sechs Monate für die erste theo-
‚etische Ausbildung der Gendarmerieanwärter vorge-
'‚ehen waren, wurde diese — um einige wichtige Gegen-
;tände vermehrt — nunmehr auf mindestens ein Jahr
streckt, wobei auch maßgebend war, daß den An-
värtern in dieser Zeit jetzt auch alle für den Gen-
jarmeriedienst notwendigen militärischen Fertigkeiten
on Grund auf zu lehren sind. Auch für die Heran-
üildung eines vollwertigen Nachwuchses für leitende
zendarmeriebeamte, deren frühere normale Ergänzung
lurch Uebernahme geeigneter Truppenoffiziere nicht
nehr in Frage kam, wurde Vorsorge getroffen. So kam
»s im Herbst 1924 zur Aufstellung der „Höheren
Gendarmeriefachschule” in Graz, wo in zwei
lahrgängen in erster Linie solche Gendarmeriebeamte,
die eine Mittelschule absolviert hatten, durch Universitäts-
professoren und teilweise auch durch im Lehrfache
besonders befähigte leitende Gendarmeriebeamte eine
für ihre spätere Verwendung vorzügliche fachliche Aus-
bildung genossen.
Neben der theoretischen Ausbildung wird aber auch
der körperlichen Ertüchtigung ein erhöhtes Augenmerk
zeschenkt. Es findet nicht nur der Turnunterricht
m allgemeinen, sondern auch alle für den Gendarmerie-
lienst in Betracht kommenden Zweige des Sportes
eine besondere Pflege. Hier ist vor allem des für unser
Gebirgsland in erster Linie wichtigen alpinen Dienstes
zu gedenken. Der vermehrte Zustrom von Fremden aus
aller Herren Länder in unsere herrliche Alpenwelt
sonnte nicht ohne Finfluß auf den Sicherheits- und